08.08.11 Ewige Begeisterung für Poulenc Jos van Immerseel und "Anima Eterna Brugge" auf musikalischer Spurensuche
Von Monika Kursawe
Françis Poulenc gehört für den belgischen Pianisten, Dirigenten und Musikwissenschaftler Jos van Immerseel zu den drei größten Komponisten des 20. Jahrhunderts. Ein Komponist von großer Kultiviertheit, jedoch immer voller Spontaneität und Unbekümmertheit. Mehr als ein Grund also, ihm ein ganzes Album zu widmen: „Francis Poulenc“, gespielt von Anima Eterna Brugge unter Jos van Immerseel. Der musikalische „Spurensucher“ Jos van Immerseel verwendet auf dem Album ausschließlich ein Instrumentarium, wie es auch zu Zeiten des französischen Komponisten gebräuchlich war. Immerseel kann inzwischen auf eine beachtliche Sammlung von 17 verschiedenen historischen Flügeln und Cembali zurückgreifen. Auch seine Klavierpartnerin, die Pianistin Claire Chevallier, verfügt über mehrere historische Flügel. Für das Konzert für zwei Klaviere von Francis Poulenc haben die beiden Solisten aus dieser riesigen Auswahl zwei Erard-Flügel aus den Jahren 1896 und 1905 gewählt.
Der größte Unterschied zum modernen Steinway-Flügel ist, dass die Saiten beim Erard-Flügel parallel gespannt sind und nicht kreuzförmig. Außerdem ist der Resonanzboden beim Erard-Flügel sehr dünn und schlank. Dadurch spreche der Ton schneller und direkter an, vor allem im Bass, der Klang sei transparenter und schlanker und ließe sich besser beeinflussen, sagt Jos van Immerseel.
Musikalisch dominieren im Klavierkonzert große Spielfreude und Witz. Poulenc spielt mit der traditionellen Konzertform, lockert die Gesetze der thematischen Entwicklung stark auf und zitiert andere Komponisten, wie beispielsweise im zweiten Satz Wolfgang Amadeus Mozart, den er von allen Komponisten am meisten verehrt hat.
Das zweite große Werk des Albums ist die „Suite Française für Orchester nach Claude Gervaise“. Diese Suite war eine Auftragskomposition zu einer Schauspielmusik zum 2. Akt des Historiendramas „La Reine Margot“ (hier geht es um die Bartholomäusnacht). Poulenc griff hier auf Melodien aus Claude Gervaises „Livres de danceries“ aus dem 16. Jahrhundert zurück. In den sieben Tänzen der Suite spielt Poulenc mit den Klangfarben des 16. Jahrhunderts und kombiniert sie mit denen des 20. Jahrhunderts. So beginnt die Suite mit einer Solo-Trommel, als ob sich der Hörer tatsächlich in der Zeit der Renaissance befände, bevor sich sehr schnell moderne Klänge einmischen.
Den Abschluss des Albums bildet das „Concert Champêtre für Cembalo und Orchester“. „Champêtre“; ländlich, einfach, natürlich, bäuerlich (aber nicht plump) - so klingt das Konzert. Poulenc muss vom Wald von Saint-Leu-la-Forêt sehr verzaubert gewesen sein. Dort war die die Cembalistin Wanda Landowska zu Hause; für sie hat Poulenc das Konzert geschrieben.
Die Solistin auf der aktuellen Einspielung mit Anima Eterna ist Kateřina Chroboková, die auf einem Nachbau eines Cembalos aus dem Jahr 1749 spielt.
Ein Werk, das von Phantasie und Farbnuancen nur so sprüht.
Insgesamt ein Album, das sicherlich auch Françis Poulenc zum Lächeln gebracht hätte.
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