09.12.11
Feinsinnige Trauer
Das Aramis Trio spielt Smetana und Schostakowitsch

Von Monika Kursawe

„Einer für alle - alle für einen“ - das ist das wahrscheinlich bekannteste Zitat aus dem Roman „Die drei Musketiere“ von Alexandre Dumas. Dieses Zitat hat sich das Aramis-Trio zum Leitspruch gemacht und sich auch gleich nach einem der Musketiere benannt.
Die drei Musiker des Trios, der Pianist Fabian Wankmüller, der Cellist Heiner Reich und der Violinist Martin Emmerich, musizieren seit einem Kammermusikkurs der Villa Musica im Jahr 2009 zusammen. Als prägend für ihre künstlerische Entwicklung nennen sie selbst die Studien bei Jörg-Wolfgang Jahn und Volker David Kirchner an der Karlsruher Musikhochschule, aber auch Meisterkurse beim Fauré Quartett, dem Trio Fontenay und dem Trio Opus 8.

Ein besonderes Anliegen ist es dem Trio, dem Publikum nicht nur das gängige Repertoire nahe zu bringen, sondern auch weniger häufig gespielte Werke. Und im Mittelpunkt steht immer das Motto „Glücklicher als der Glücklichste ist, wer andere Menschen glücklich machen kann“ (Alexandre Dumas).

Zum Thema ihrer Debüt-CD macht das Aramis-Trio aber nicht etwa französische Musik, wie man es nach den vielen Anlehnungen an den großen französischen Schriftsteller Alexandre Dumas vielleicht vermuten könnte, sondern wendet sich, musikalisch gesehen, nach Osten - hin zu Bedřich Smetana und Dmitri Schostakowitsch. Beide Trios sind eher schwermütige Werke, beiden liegt der Gedanke an den Tod zu Grunde. Diesem ernsten Thema (und auch der dementsprechend ernsten Musik) nähert sich das Aramis-Trio erstaunlich reif.

Das erste Werk auf dem Album ist das „Trio g-moll für Klavier, Violine und Violoncello op. 15“ von Bedřich Smetana. Dieses Trio entstand Ende 1855, in Erinnerung an Smetanas Tochter Bedřiska (Friederike), die im Herbst des selben Jahres verstorben war. Das Trio trägt denn auch die berührende Widmung „Zur Erinnerung an unser erstes Kind Bedřiska, welches uns durch sein außerordentliches Musiktalent entzückt hat, jedoch uns durch den unerbittlichen Tod im Alter von viereinhalb Jahren entrissen wurde.“ Die Musik ist eine erschütternde Umsetzung dieser Worte.

Die Uraufführung in Prag war übrigens ein völliger Misserfolg. Erst einige Jahre später wurde das Werk zumindest von Smetanas Musik- und Komponistenkollegen Franz Liszt gewürdigt; der nämlich war völlig begeistert von dem Werk und begriff auch die tiefere Bedeutung dieses Trios.

Das zweite Werk auf der CD widmet sich ebenfalls dem Tod. Dmitri Schostakowitsch trauert in seinem Klaviertrio e-moll op. 67 aber nicht nur um eine einzelne Person (auch wenn der Tod seines Freundes, dem Musikwissenschaftler Iwan Sollertinski, der Anlass zur Komposition war), sondern bezieht die vielen Opfer des 2. Weltkriegs und der stalinistischen Terror-Diktatur mit ein.
Schostakowitsch schrieb das Trio im Sommer 1944 in Iwanowo, wohin er zuvor evakuiert worden war. Die Uraufführung am 14. November im befreiten Leningrad (mit dem Komponisten persönlich am Klavier) war ein großer Erfolg. Auch heute gehört das Werk zu einem der am häufigsten gespielten Kammermusikwerke von Schostakowitsch.

Erhältlich ist die CD "Grave" im Moment noch ausschließlich über www.aramistrio.de - demnächst aber auch über Amazon.


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