Bericht
Musik sorgt bei Beier für den guten Ton
| Christine Gehringer | Bericht
Eine Konzertreihe im Autohaus oder: Wie Kultur und Wirtschaft sich gegenseitig unterstützen

Für Peter Beier spielt die Kultur in seinem Autohaus eine große Rolle - zur Zeit gibt es dort Musik und Skulpturen. (Foto: Gehringer)
In der Regel unterstützt die Wirtschaft die Kultur – das heißt dann „Sponsoring“. Wenn im Gegenzug das Firmenlogo auf dem Programmheft erscheint, verspricht sich das jeweilige Unternehmen davon einen positiven Effekt, aber die allgemeine Wahrnehmung lautet eben doch: Die Kultur braucht die Wirtschaft – und nicht umgekehrt.
Mit dem Programm „Denkmal – schaumal – fühlmal“ fragten sich der Karlsruher Flötist Johannes Hustedt und die Bildhauerin Chai Min Werner indessen, ob Unterstützung nicht doch auch umgekehrt funktioniert. Gemeinsam mit dem Autohaus Beier haben sie eine sommerliche Konzertreihe Leben gerufen, die durch das Landesprogramm „Kunst trotz Abstand“ gefördert wird. Konkret erleben die Besucher hier Musik und Skulpturen an einem Ort, den man nicht unbedingt mit Kultur verbinden würde (es sei denn, man ordnet das Design eines neuen Fahrzeugs als „Kunst“ ein).
Doch das Autohaus Beier, so verriet jetzt Geschäftsführer Peter Beier, zeigte sich schon seit jeher als kunstaffin: Entsprechende Veranstaltungen sind Teil der Unternehmensphilosophie. (Hinweis: Das nächste Konzert gibt es am Mittwoch, den 8.9., um 17.30 Uhr im Autohaus Beier in Karlsruhe und am Donnerstag, 9.9. um 17.30 Uhr in der Filiale in Ettlingen. Auf dem Programm steht Musik für Flöte, Fagott und Alphorn unter dem Motto: „Klänge aus dem Jetzt“).
Keine Kommentare vorhandenHommage an eine große Europäerin
| Christine Gehringer | Bericht
Matinee zum 200. Geburtstag der Sängerin und Komponistin Pauline Viardot-Garcia im Theater Baden-Baden

Die Büste von Pauline Viardot-Garcia in der Nähe des Stadtmuseums Baden-Baden an der Lichtenthaler Allee. (Foto: Gehringer)
Es war ein würdiger Rahmen: Das Publikum versammelte sich, ganz dem Geist der Zeit nachspürend, im neobarocken Theater Baden-Baden, das 1862 im Stile der Pariser Oper errichtet wurde. Auch Pauline Viardot lud einst in Baden-Baden zu Konzerten; unter anderem gehörten ein Gartentheater und ein Vortragssaal zu ihrem Anwesen unweit des heutigen Südwestrundfunks.
Hier lebte sie zwischen 1863 und 1870, und ihr Haus war ein Magnet für sämtliche Persönlichkeiten der damaligen Zeit. Nicht zuletzt dies begründete Baden-Badens Renommee als „Sommerhauptstadt Europas“.
Umso glücklicher waren deshalb Kekke Schmidt, die Interimsintendantin des Theaters Baden-Baden, und Oberbürgermeisterin Margret Mergen über einen gut besuchten Saal am Geburtstag der Viardot am 18. Juli: Man habe angesichts der Pandemie „bis zuletzt gezittert“. Die Festrede hielt die Hamburger Musikwissenschaftlerin und Viardot-Biografin Beatrix Borchard.
"Man kann das Publikum fühlen, als ob es ein Wesen mit eigener Dynamik wäre"
| Christine Gehringer | Bericht
Vor kurzem stellte sich der Bariton Armin Kolarczyk im digitalen Künstlergespräch vor/ Ab morgen ist er in Karlsruhe als "Gianni Schicchi" zu erleben
Am morgigen Mittwoch, den 12. Mai (19 Uhr), meldet sich auch die Karlsruher Oper mit einer Online-Premiere zurück: Zu sehen ist – im Dante-Jahr – Puccinis Oper „Gianni Schicchi“. Der spritzige Einakter rund um Testamentfälschung und Erbschleicherei ist Teil des „Triptychon“ und nimmt Bezug auf Dantes „Göttliche Komödie“; in der Hauptrolle ist der Bariton Armin Kolarczyk zu sehen - auch wenn er und seine Kollegen auf besagtes „Publikumsgefühl“ bisweilen noch verzichten müssen.
Vor kurzem jedoch durfte das Karlsruher Opernpublikum den sympathischen Sänger zumindest auf digitalem Weg etwas näher kennen lernen: im Rahmen eines Künstlergesprächs mit dem Dramaturgen Stephan Steinmetz in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule.
Ohne Ziele wird es schwierig
| Christine Gehringer | Bericht
Künstler in der Coronakrise (II): Sänger berichten über Motivation, staatliche Hilfen und Online-Unterricht

Das Karlsruher Athos Ensemble in der Stadtkirche Durlach (Foto: Gehringer/ Archiv)
Ab dem 22. März, so der Beschluss des Corona-Gipfels, könnten Theater und Konzerthäuser bei entsprechender Inzidenz wieder öffnen. Eine wirkliche „Öffnungs-Perspektive“ ist das jedoch nicht – denn sollten die Zahlen wieder steigen, was sich angesichts der britischen Corona-Mutante auch abzeichnet, tritt ein erneuter Lockdown in Kraft.
Planbar scheinen Kulturveranstaltungen demnach nur in Verbindung mit einem funktionierenden Schnelltestverfahren. Andererseits ist laut einer neuen Aerosol-Studie aus dem Konzerthaus Dortmund die Ansteckungsgefahr in großen Räumen gering – zumal das Publikum zuletzt mit Maske und im Schachbrettmuster auf den Plätzen saß. Doch die Theater und Konzerthäuser gehörten im milden November-Lockdown zu den ersten, die schließen mussten, was sowohl von Künstlern als auch von Musikliebhabern vielfach als „Symbolpolitik“ empfunden wurde.
Besonders hart getroffen sind beispielsweise frei berufliche Sänger. Sie verdienen ihr Geld unter anderem mit großen Chorkonzerten etwa zur Passion; die Saison entfällt nun bereits zum zweiten Mal. Grund genug also, bei ihnen nachzufragen, wie sie das vergangene Jahr gemeistert haben. Dabei erfährt man: Bei den staatlichen Hilfen fallen Künstler trotz hoher Verluste schlicht durchs Raster...