Intime, erfrischende Szenen

Die Live-Musik ist zurück: Zum Beispiel die Ettlinger Schubertiade mit Schuberts "Schöner Müllerin"

 

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Es dürfte eines der ersten Live-Konzerte in der Region gewesen sein: Kaum traten die neuesten Corona-Lockerungen in Kraft, stand man bei der Schubertiade Ettlingen bereits in den Startlöchern. Eine kleine Rest-Unsicherheit blieb zunächst noch, als der neue Konzerttermin angekündigt wurde. Doch dann war tatsächlich zweimal in der Ettlinger Stadthalle Schuberts Liederzyklus „Die schöne Müllerin“ zu hören: Im Innenraum, vor Saalpublikum. Zu Gast waren vielversprechende junge Liedduos aus der Schubert-Klasse des Pianisten Thomas Seyboldt, dem künstlerischen Leiter der Schubertiade, der zugleich als Professor an der Stuttgarter Musikhochschule unterrichtet.
Nach mehr als neun Monaten Pause – das war in der fast dreißigjährigen Geschichte der Konzertreihe noch nicht vorgekommen – wurde dieses Angebot ausgesprochen dankbar angenommen.

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Inspiriert vom Barock

Sinfoniekonzert der Badischen Staatskapelle mit Werken von Mozart, Strawinsky und Bohuslav Martinu

 

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Was haben Igor Strawinsky und der böhmische Komponist Bohuslav Martinu mit Johann Sebastian Bach zu tun? Nun, auf Anhieb wohl eher wenig, doch im Sinfoniekonzert der Staatskapelle – so erfährt man im Pausengespräch zwischen Mareike Jordt und dem Dirigenten Johannes Willig – gibt es „eine dramaturgische Klammer“. Denn Strawinsky und Martinu (er gehörte zu den interessantesten Komponisten des 20. Jahrhunderts, sein Werk, einst von den Nationalsozialisten verboten, ist hierzulande jedoch kaum bekannt) - griffen beide in ihren Kompositionen auf barocke Formen zurück. Martinu distanzierte sich sogar von der gefühlsbehafteten Romantik.
Im Zentrum des Konzerts stand ein Werk, das nicht neobarock oder neoklassizistisch ist, sondern vielmehr original aus dem 18. Jahrhundert stammt: Mit seinem Flötenkonzert G-Dur (KV 313) trug Wolfgang Amadeus Mozart wesentlich dazu bei, dass sich die Flöte als Konzertinstrument etablierte.
Am morgigen Dienstag, den 8. Juni, ist das Konzert der Staatskapelle Karlsruhe ab 20 Uhr nochmals auf www.dringeblieben.de zu hören.

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Betrug für einen guten Zweck

Seit kurzem "on demand": Mit der Online-Produktion "Gianni Schicchi" meldet sich die Karlsruher Oper zurück

 

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Auf Testamentsfälschung steht bei Dante Alighieri die Höchststrafe. Der Florentiner Dichter, der vor 700 Jahren starb, verbannte in seiner „Göttlichen Komödie“ den Betrüger Gianni Schicchi in den vorletzten Höllenkreis. Dante bezog sich dabei auf einen tatsächlichen Kriminalfall (der übrigens auch seine eigene Familie betraf), und Giovacchino Forzano wiederum, der Librettist der Puccini-Oper, fertigte daraus eine raffinierte Charakterstudie. Der einstündige Einakter „Gianni Schicchi“ bildet den komödiantischen Abschluss in Puccinis „Triptychon“ aus dem Jahr 1918, und weil es hier nicht um große Bilder und psychologische Entwicklungen geht, sondern weil sich die Geschichte vielmehr an einer einzigen Begebenheit entzündet und dann rasant zuspitzt, ist dies eine ideale Oper für Corona-Zeiten.
Seit einigen Tagen steht die Produktion des Karlsruher Staatstheaters als "Video on demand“ auf der Plattform „dringeblieben.de“ zur Verfügung und ist noch bis zum 1. Juni abrufbar. (Daneben stellt das Staatstheater einzelne Ensemble-Mitglieder derzeit in der Online-Reihe „Spotlight“ vor.)

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Nachtstimmung und explosive Kraft

Hausfestspiel Baden-Baden: Beethoven und Berlioz mit dem SWR Symphonieorchester und Véronique Gens

 

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Betrachtet man Baden-Badens Musikgeschichte des 19. Jahrhunderts etwas genauer, dann fällt auf, dass der Kurort an der Oos schon immer eng mit der großen europäischen Musiktradition verbunden war. Nicht nur Johannes Brahms und Clara Schumann wirkten hier – sondern hier dirigierten auch Jacques Offenbach und Hector Berlioz, der nach 1850 die so genannten „Sommerfestspiele“ als deren künstlerischer Leiter prägen sollte. Der Begriff des „Festspiels“ oder auch des „Festivals“ - Berlioz selbst wählte diesen Ausdruck – hat seinen Ursprung also teilweise in Baden-Baden. Davon zeugt auch die Berlioz-Büste im Park neben dem Festspielhaus.
Da war es beinahe schon Pflicht, beim Hausfestspiel die Musik des genialen französischen Tonschöpfers gerade beim Thema „Aufbruch“ in den Blick zu nehmen: Die „Nuits d‘ été“ standen im Mittelpunkt des groß (!) besetzten Orchesterkonzerts mit dem SWR Symphonierochester unter Antonello Manacorda. Noch bis etwa Mitte Juni sind die Konzerte online abrufbar.

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So klingt die Ewigkeit

Digitales Hausfestspiel Baden-Baden mit dem SWR Symphonieorchester: Höhepunkt mit Messiaen/ zuvor Schumann mit Martin Stadtfeld

 

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„Aufbruch in die Moderne“ - so lautete das Motto des digitalen Hausfestspiels in Baden-Baden, das mit dem heutigen Abend zu Ende ging und das Intendant Benedikt Stampa zugleich als „Auftakt“ zu einem führenden Festival der klassischen Moderne verstanden wissen will.
Die ursprünglichen Pfingstfestspiele waren bereits mit dem SWR Symphonieorchester geplant, und mit diesem Orchester besteht nicht nur eine enge Partnerschaft, sondern die Moderne gehört gewissermaßen zur DNA des Klangkörpers: Im Hans-Rosbaud-Studio arbeiteten bereits Igor Strawinsky und Olivier Messiaen – Komponisten, die auch beim Hausfestspiel zu den Protagonisten zählten.
Messiaens „Turangalila-Sinfonie“ - eigentlich war sie als Ballett mit John Neumeier vorgesehen – erlebte beispielsweise in Baden-Baden einst ihre deutsche Erstaufführung.
Die künftigen Pfingstfestspiele, so verrieten Benedikt Stampa und Johannes Bultmann (SWR) im Rahmen des großen Orchesterkonzerts (Bericht folgt), sollen ein „Fenster zur Moderne“ werden; entsprechende Planungen gebe es bereits bis zum Jahr 2025. Das Programm des Hausfestspiels war schon einmal viel versprechend: Nach Schumann und Strawinsky gehörte vor allem ein Abend mit Messiaens „Quartett auf das Ende der Zeit“ zu den Höhepunkten. Alle Konzerte sind noch knappe vier Wochen lang online abrufbar. 

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Musikalischer Streifzug durch ein schillerndes Leben

Europäische Kulturtage: Die Pianistin Heike Bleckmann mit einem Porträt über Pauline Viardot-Garcia

 

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Baden-Baden galt einst als „Sommerhauptstadt Europas“ - und die Sängerin und Komponistin Pauline Viardot, deren Wirken eng mit dieser Stadt verbunden ist, war eine große Europäerin. Die gebürtige Spanierin und Schwester der legendären, jung verstorbenen Sängerin Maria Malibran war mit dem Franzosen Louis Viardot verheiratet und unterhielt zuerst in Paris, danach in Baden-Baden einen Salon, in dem bedeutende Künstler ein- und ausgingen.
Am 18. Juli feiert die Musikwelt ihren 200. Geburtstag. Doch schon jetzt - im Rahmen der Europäischen Kulturtage - widmete sich die Karlsruher Pianistin Heike Bleckmann gemeinsam mit den Sängerinnen Larissa Wäspy und Denise Seyhan, dazu der Bratschistin Franziska Dürr dem Leben dieser außergewöhnlichen Künstlerin.

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Von Leidenschaft und Liebeswerben

Europäische Kulturtage Karlsruhe: Barocke Lautenlieder und Instrumentalmusik mit dem Ensemble "Les Escapades"

 

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„Flow my tears“ - das sind schon beinahe geflügelte Worte. Sie stehen sinnbildlich für das frühbarocke Lautenlied, in diesem Fall das elisabethanische: Es ist das berühmteste Werk des englischen Komponisten und späteren Hoflautenisten John Dowland.
Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Stück zuerst unter dem Titel „Lachrimae Pavane“ veröffentlicht, und auch der norddeutsche Barockkomponist Heinrich Scheidemann verarbeitete dieses Thema in einer Pavane – wie sich überhaupt die Komponisten aus England, Frankreich, Spanien und Deutschland wechselseitig inspirierten.
Das zeigten jetzt die Musikerinnen des Gambenconsorts „Les Escapades“ in ihrem zweigeteilten Konzertvideo aus der Altkatholischen Kirche im Rahmen der Europäischen Kulturtage. Als Gäste hatten sie sich die Sopranistin Monika Mauch und die Lautenistin Andrea Baur eingeladen. Wer noch einmal eintauchen möchten in die Welt des Früh- und Hochbarock, wer in der empfindsamen Melancholie „mitleiden“ oder in freudigen Springtänzen die leidenschaftliche Liebe feiern möchte: Auf Youtube (EKT TV) ist das Video noch bis zum Ende der Kulturtage (16. Mai) abrufbar. 

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Eindringliche Erzählung eines jüdischen Schicksals

Europäische Kulturtage: Mono-Oper "Das Tagebuch Anne Frank" als Film uraufgeführt

 

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Es gehört zum Wesen der Europäischen Kulturtage, dass sich Künstlerinnen und Künstler nicht nur mit der Kulturgeschichte unseres Kontinents, sondern auch mit dessen Werten auseinandersetzen. Zur Eröffnung des Karlsruher Festivals, das ebenso vom Land Baden-Württemberg getragen wird, sprach Kultur-Staatssekretärin Petra Olschowski deshalb von einem Leben in „Frieden, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit – und einem gewissen Maß an Sicherheit“, das zur europäischen Identität gehöre. Doch zur Realität gehört ebenso, dass in Europa einst die größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit geschahen.
2021 wird das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ begangen, und im Rahmen der Kulturtage leistet das Staatstheater Karlsruhe mit einem Jugendprojekt einen Beitrag dazu. Gestern Abend wurde die Oper „Anne Frank“ des russischen Komponisten Grigori Frid aufgeführt – erstmals in einer filmischen Umsetzung von Patric Seibert. Noch am 11. und 13. Mai ist der Film im Rahmen der Kulturtage zu sehen. Passend ist übrigens auch, dass die Aufführung in die Zeit des 100. Geburtstages der Widerstandskämpferin Sophie Scholl fällt. 

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Heiterer Genuss

Streaming-Konzert der Staatskapelle mit Mendelssohn, Schumann und Strauss

 

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Richard Wagner ist sozusagen als „Übervater“ ständig präsent, obwohl er gar nicht selbst zu Wort kommt: Es war ein beziehungsreiches Programm, das GMD Georg Fritzsch mit der Badischen Staatskapelle jetzt beim Livestream-Konzert aus dem Großen Haus des Staatstheaters vorstellte. Auf solche Bezüge und noch auf manche anderen interessanten Details verwiesen Fritzsch und der junge Cellist Isang Enders – er spielte Schumanns a-moll-Konzert – bei einem kurzweiligen Pausengespräch.
Setzt man auf solche Formate, dann sind Streaming-Angebote ein klarer Zugewinn, einmal abgesehen davon, dass sie vielen Hörern den Zugang zu den Kultur-Ereignissen deutlich erleichtern. Beim anfänglichen Stimmen der Instrumente entsteht außerdem tatsächlich so etwas wie „Konzert-Stimmung“; traurig ist nur, dass sich die Musiker am Ende selbst applaudieren müssen.
Noch etwa zwei Wochen lang kann das Konzert über das Portal dringeblieben.de kostenpflichtig abgerufen werden. 

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Starke, suggestive Bilder

Erste Livestream-Premiere mit Strawinskys "Feuervogel" am Staatstheater Karlsruhe/ noch knappe zwei Wochen kostenpflichtig online

 

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Die Jubiläen großer Komponisten gehen in diesen Zeiten unter. Doch das Karlsruher Staatsballett meldete sich nun mit einer Premiere zurück – und diese fiel zeitnah auf den 50. Todestag von Igor Strawinsky. In seinem großen Handlungsballett „Der Feuervogel“ aus dem Jahr 1910 manifestieren sich die entscheidenden Umbrüche in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg: Noch einmal zeigt sich die Klangpracht der Rimsky-Korsakow-Schule (hiervon wurde Strawinsky entscheidend beeinflusst), doch auch die scharfen Rhythmen eines neuen Stils, der sich drei Jahre später in „Sacre du Printemps“ skandalträchtig Bahn bricht, leuchten hier bereits auf. Ballettchefin Bridget Breiner stellt dem Werk einen interessanten Prolog voran.
Der belgische Choreograf Jeroen Verbruggen schafft im Strawinsky-Ballett zwar atmosphärische Bilder, doch vieles bleibt auch buchstäblich im Dunkeln. Aber: Es ist gut, dass im Theater endlich wieder über Inszenierungen geredet wird.
(Hinweis: Über das Portal dringeblieben.de ist die Produktion noch knapp zwei Wochen lang kostenpflichtig abrufbar).

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