Virtuosität und große Linien: Ein Meister an der Orgel

Samuel Kummer aus Dresden spielte in der Karlsruher Stadtkirche und brachte hauptsächlich eigene Werke mit.

Auf einer Konzertreise nach Guatemala, so erzählt der Organist Samuel Kummer, habe er mehr Zeit im Orgelgehäuse als am Spieltisch verbracht – nämlich um den ganzen Dreck aus der Orgel herauszuschaffen. Es habe gedauert, bis das Instrument wenigstens einigermaßen spielbar gewesen sei.
Solche Verhältnisse trifft man beim Karlsruher Orgelsommer natürlich nicht an, im Gegenteil: Die beiden Orgeln lassen nahezu jedes Repertoire zu. Und Samuel Kummer, aufgewachsen in Stuttgart, später Bezirkskantor in Kirchheim unter Teck und inzwischen einem größeren Publikum bekannt als Organist der Dresdner Frauenkirche – er kostet diese Verhältnisse vollständig aus, und zwar zum großen Teil mit eigenen Kompositionen.

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Ungewohnte Klänge aus Polen

Zum Konzert mit Bodgan Narloch beim Karlsruher Orgelsommer

 

180729 Bogdan Narloch

Es ist das Markenzeichen des Karlsruher Orgelsommers, dass die internationalen Künstler häufig – neben Schwergewichten wie etwa Johann Sebastian Bach oder dem Franzosen Charles-Marie Widor – vielfach Repertoire aus der Heimat mitbringen, das hierzulande so gut wie unbekannt ist.
Bogdan Narloch, Organist aus Koszalin in Polen und selbst künstlerischer Leiter eines Orgelfestivals, spielte Werke von Komponisten, die man zum großen Teil noch nicht einmal in einem gängigen Orgelführer findet: Theophil Andreas Volckmar zum Beispiel oder Alfred Hollins. Und so sind die Konzerte in der Evangelischen Stadtkirche jedesmal auch eine Art Fundgrube.

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Kämpfe, Lust und Göttlichkeit

Sommerfestspiele Baden-Baden: Valery Gergiev, das Mariinsky Orchester und Daniil Trifonov setzen den Schlusspunkt

 

180722 Trifonov Gergiev

Großes Orchester, schillernde Klangfarben und begeisternde Virtuosität – das war der Schlussakkord zu den diesjährigen Sommerfestspielen in Baden-Baden.
Valery Gergiev und das St. Petersburger Mariinsky Orchester boten unter anderem Werke, die man hierzulande eher selten hört: Skrjabins „Poème de l' Extase“ etwa oder seine dritte Sinfonie, „Le Divin Poème“. Dazwischen gab es Rachmaninows c-moll-Klavierkonzert mit Daniil Trifonov, der an zwei Abenden zu Gast war. Und zum Schluss ein „Stück fürs Publikum“: Mussorgskys „Bilder einer Ausstellung“.

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Überströmende Lust am Herrn

Gambenconsort "Les Escapades" stellt neue CD vor/ Werke von Johann Rosenmüller und Zeitgenossen

 

180716 Escapades Rosenmueller

Ein Herzensprojekt“ sei die Aufnahme gewesen, sagt Barbara Pfeifer, eine der vier Musikerinnern des Karlsruher Gamben-Ensembles „Les Escapades“. Mit der österreichischen Sopranistin und ECHO-Preisträgerin Miriam Feuersinger bestand bereits vorher Kontakt, zum Ensemble stießen außerdem die Geiger Cosimo Stawiarski und Christoph Riedo, dazu Simon Linné (Theorbe) und Evelyn Laib (Orgel). Insbesondere die Zusammenarbeit mit Cosimo Stawiarski erwies sich offenbar als Gücksfall: Denn der Geiger ,so erzählt Barbara Pfeifer, habe in mühevoller Arbeit die Stücke ausgewählt und in spielbare Noten umgesetzt.
Die Aufnahme „Habe deine Lust am Herrn“ (erschienen beim Label Christophorus) widmet sich den geistlichen Konzerten des Barockkomponisten Johann Rosenmüller und den Werken (unbekannter) Zeitgenossen – unter anderem von Georg Christoph Strattner, der an der Durlacher Hofkapelle tätig war.
Einige Ersteinspielungen finden sich darunter; vor kurzem stellte das Ensemble die neue CD vor.

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Mozart und die Blutsauger

Zur Aufführung "Lucio Silla" am Staatstheater in Karlsruhe

 

180708 Lucio Silla

Gerade einmal 16 Jahre alt war Wolfgang Amadeus Mozart, als er „Lucio Silla“ schrieb: eine erstaunlich düstere Oper, welche der romantischen Todessehnsucht vorgreift. Ursache dieser Hoffnungslosigkeit ist die Tyrannei eines Diktaktors, und musikalisch schlägt sich die Todesnähe nieder in der so genannten „Ombra-Thematik“. So ist diese Oper auch eine Gelegenheit, Mozart einmal mit überraschenden Klangfarben zu hören.
„Lucio Silla“, nochmals am 19. Juli am Staatstheater in Karlsruhe zu sehen, ist eine Kooperation mit dem Theater „La Monnaie“ in Brüssel. Regisseur Tobias Kratzer, der in Karlsruhe bereits die „Meistersinger“ und Meyerbeers „Prophet“ auf die Bühne brachte, macht daraus eine Geschichte über sexuelle Obsessionen.

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Wiener Melange für Genießer

Hofkonzert und Hoffest an der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe: "Wien bleibt Wien"

 

180630 Hofkonzert Wien

Das Hofkonzert an der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe ist meistens der Kultur eines bestimmten Landes gewidmet. Und wer diese Konzerte regelmäßig besucht, der weiß: Die sommerliche Serenade im Innenhof der Kirche bietet anspruchsvolle Chormusik in Verbindung mit launig-beschwingter Abendunterhaltung. Nicht zuletzt ist das auch den Conferencen von Hartmut Becker zu verdanken, der den Konzerten stets eine besondere Handschrift gibt.
In diesem Jahr widmeten sich Christian-Markus Raiser und der Bachchor, dazu das Kammerorchester „Camerata2000“ den Klängen aus der Musikstadt Wien. Eine perfekte Melange aus luftiger Mehlspeise und ungarischer Würze.

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Feine Kunst und beste Unterhaltung

Die Gebrüder Gerassimez beendeten die Saison der "Bruchsaler Schlosskonzerte"

 

180608 Gerassimez

Das letzte der Bruchsaler Schlosskonzerte ist traditionell für einen saftigen „Rausschmeißer“ reserviert: Meist für einen pikanten Mix aus Klassik und Weltmusik, oft auch ein wenig „unerhört“. Diesmal waren die Gebrüder Gerassimez aus Essen zu Gast.

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Lähmende Staatsmacht

Zur Oper "Anna Bolena" am Staatstheater Karlsruhe

 

180603 Anna Bolena

Endlich einmal wieder eine empfehlenswerte Produktion: Gaetano Donizettis Tudor-Oper „Anna Bolena“, derzeit am Staatstheater in Karlsruhe zu sehen, liefert ein packendes und optisch ansprechendes Bühnendrama. Auch wenn die Regie von Irina Brown einige Fragen offen lässt.

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Klangschöne Raritäten

Zum Sibelius-Abend mit Michael Tilson Thomas, dem London Symphony Orchestra und dem Geiger Ray Chen in Baden-Baden

 

180521 Sibelius BAD

Jean Sibelius? Hierzulande ist er leider immer noch unterrepräsentiert – trotz „Valse triste“ und „Finnlandia“, und obwohl sein Violinkonzert längst zum Standard in der Geigenliteratur gehört. Doch der finnische Komponist, angesiedelt in der spannenden Epoche zwischen Spätromantik und Moderne, wird traditionell vor allem in den USA und in Großbritannien gepflegt.
Deshalb war es ein Glück, dass jetzt ein ganzer Sibelius-Abend bei den Pfingstfestspielen in Baden-Baden zu hören war: Mit dem amerikanischen Dirigenten Michael Tilson Thomas und dem London Symphony Orchestra, dazu mit dem australischen Geiger Ray Chen (für die erkrankte Janine Jansen).

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Vokale Kunst mit allen Raffinessen

Schwarzwald Musikfestival: Jazzchor Freiburg gastierte in Ettlingen

 

180514 Jazzchor Freiburg

Gerade ging das Schwarzwald Musikfestival zu Ende, was seit einigen Jahren bis an die nordwestlichen Ausläufer reicht – nämlich bis nach Ettlingen. Dort, im Asamsaal des Schlosses, treten regelmäßig Vokal-Ensembles auf, die man stilistisch nicht auf ein Genre festlegen kann: Die Singphoniker zum Beispiel oder Singer Pur, nun der Jazzchor Freiburg.
Das passt zur Philosophie und zur „Musikfarbe“ des Festivals, wo man ARD-Preisträger neben Musik-Kabarettisten im Programm findet. So erklärte auch der künstlerische Leiter Markt Mast, das Schwarzwald Musikfestival sei im Grunde ein „ganzheitliches musikalisches Universum“, ein großes „Integrationsprojekt“.

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