Kritik
Endlich wieder Operette!
| Christine Gehringer | Kritik
Emmerich Kálmáns "Gräfin Mariza" mit Tempo und Opulenz am Staatstheater Karlsruhe

Kálmáns Operettenklassiker "Gräfin Mariza" in der Inszenierung von Alexandra Frankmann am Staatstheater Karlsruhe. (Foto: Felix Grünschloß)
In diesen Zeiten genau das Richtige: Operettenvergnügen zum Schwelgen, zum Amüsieren, aber auch zur kritischen Auseinandersetzung mit manchen Klischees - dies jedoch ganz ohne Belehrung. Hier steht die reine Freude im Vordergrund.
Eine echte Empfehlung ist Emmerich Kálmáns Operettenklassiker "Gräfin Mariza", derzeit am Staatstheater Karlsruhe zu sehen.
Keine Kommentare vorhandenDer Reiz der Klangfarben
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Zum kürzlichen Klavierabend mit Werken französischer Komponisten an der Musikhochschule Karlsruhe

Die Pianistinnen Franziska Lee und Gryta Tatoryte beim Klavierabend im Velte-Saal an der Musikhochschule Karlsruhe. (Foto: Gehringer)
Die Pianistinnen Franziska Lee und Gryta Tatoryte unterrichten beide an der Karlsruher Musikhochschule und hatten sich, so erzählen sie, schon seit längerem gewünscht, einen gemeinsamen Klavierabend zu gestalten. Doch vierhändig zu spielen, sagt Gryta Tatoryte, das sei in Corona-Zeiten nicht unbedingt angebracht. So einigte man sich auf ein Rezital mit zwei Klavieren, und recht bald kam man dabei auf französisches Repertoire: „La Valse“ von Maurice Ravel zum Beispiel oder „Trois valses romantiques“ von Emmanuel Chabrier.
Das lag auch insofern nahe, als Franziska Lee vor einigen Jahren eine CD mit französischer Musik („L‘ heure exquise“) herausgebracht hat. Beim Gestalten des Programms hatten die Künstlerinnen den Komponisten Chabrier wiederum rasch als eine „Quelle“ ausgemacht, der beispielsweise Ravel oder auch Francis Poulenc beeinflusste.
Herausgekommen ist ein interessanter Abend (unter anderem mit dem selten gespielten Henri Dutilleux), der seinem Titel „Eleganz und Raffinesse“ voll und ganz gerecht wurde.
Oratorium mit "Groove"
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"Coronatorium" an der Lutherkirche Karlsruhe verband Bach mit Jazz

Weihnachtsoratorium und Jazz: Die Chöre der Lutherkirche mit Dirigentin Dorothea Lehmann-Horsch, dazu Solisten und ein achtköpfiges Instrumentalensemble beim "Coronatorium" in der Lutherkirche Karlsruhe. (Foto: Gehringer)
Dass Jazz und Barockmusik einiges gemeinsam haben, ist bekannt: Da wäre zum Beispiel der „Walking Bass“ als ein Pendant zum Generalbass, außerdem die Verzierungen, die Improvisation, nicht zuletzt der stetige Puls, der Bachs Musik ebenso wie den Jazz vorantreibt: Zu einem „groovenden“ Bach ist es deshalb nur ein kleiner Schritt, wie man nun explizit in der Lutherkirche hören konnte. Dort nämlich machte man sich diese Gemeinsamkeiten zu Nutze, und herausgekommen ist ein originelles Projekt, das Bachs „Weihnachtsoratorium“ mit Jazz-Arrangements verband.
Helle Freude
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Karlsruher Meisterkonzerte: Die Deutsche Radiophilharmonie unter Chefdirigent Pietari Inkinen mit Beethovens "Vierter"

Die Deutsche Radiophilharmonie mit Chefdirigent Pietari Inkinen zu Gast im Konzerthaus Karlsruhe; im ersten Konzertteil sang Theresa Pilsl Arien von Mozart. (Foto: Gehringer)
Beethovens vierte Sinfonie hat einen ungewohnt heiteren Charakter, merkwürdigerweise ist sie aber auch diejenige, die wohl am wenigsten bekannt ist – sieht man vom Thema des Kopfsatzes einmal ab.
Man hört sie eher selten, doch jetzt war sie im Konzerthaus Karlsruhe mit der Deutschen Radio Philharmonie unter der Leitung von Pietari Inkinen zu erleben; der Chefdirigent der Philharmonie sprang kurzfristig für den erkrankten Lars Vogt ein. Daneben überzeugte die junge Sopranistin Theresa Pilsl mit Arien von Mozart.
Bildhaft in Szene gesetzt
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Gelungene Aufführung in der Christuskirche Karlsruhe: Monteverdis „Marienvesper“ mit der Lautten Compagney Berlin

Festlicher Auftakt des Advents: Monteverdis "Marienvesper" war mit der Lautten Compagney Berlin an der Christuskirche Karlsruhe zu hören. (Foto: Gehringer)
Die „Vespro della beata vergine“, erschienen im Jahr 1610, gehört zu den großartigsten Werken frühbarocker Musik; hier verbindet Claudio Monteverdi kunstvoll die Tradition der Vokalpolyphonie mit einem neuen konzertierenden Stil. Dieser sollte den leidenschaftlichen Ausdruck in den Vordergrund rücken – so, wie Monteverdi dies bereits in seiner wenige Jahre zuvor entstandenen Oper „L‘ Orfeo“ praktiziert hatte. Die Musik hatte sich dem Wort unterzuordnen, nicht umgekehrt.
Höfischer Glanz und Hirtenmusik
| Christine Gehringer | Kritik
Adventliches Konzert mit dem Barock-Ensemble „Der musikalische Garten“ bei den Bruchsaler Schlosskonzerten

(Foto: PR/ Susanna Drescher)
Konzertveranstalter stehen derzeit vor einer ähnlichen Situation wie im letzten Jahr. Zwar sind die Kultureinrichtungen nicht geschlossen, doch die epidemische Lage und das begrenzt zulässige Platzangebot stellen die Verantwortlichen erneut vor große (wirtschaftliche) Schwierigkeiten. Vieles wird abgesagt, manche Veranstalter jedoch begegnen der Situation mit einer Art „Jetzt-erst-recht“-Haltung – und müssen dabei feststellen, dass oft noch nicht einmal das Angebot von 50 Prozent voll ausgeschöpft wird, weil die Menschen entweder verunsichert oder angesichts der neuen 2GPlus-Regel schlicht genervt sind.
Doch immerhin: Wer in diesen Tagen trotz Mehrfach-Impfung auch noch das Anstehen vor dem Test-Center auf sich nimmt, der wünscht sich den Konzertbesuch umso mehr. Rund sechzig der etwa 200 verfügbaren Plätze waren beim jüngsten Bruchsaler Schlosskonzert besetzt: „Wir sind froh, dass wir vor Ihnen spielen können!“, erklärte sichtlich erleichtert Daniela Neidhammer, Cembalistin des Ensembles „Der Musikalische Garten“.
(Hinweis: Das Konzert wurde aufgezeichnet und ist an Heiligabend ab 12.30 Uhr im SWR2 Mittagskonzert zu hören.)
Der Opernchor setzt sich in Szene
| Christine Gehringer | Kritik
Halbszenisches Konzert "Viva la diva - Steuermann, lass die Wacht" am Staatstheater Karlsruhe

Der Opernchor des Karlsruher Staatstheaters beim neuen Programm "Viva la diva - Steuermann, lass die Wacht" (Foto: Felix Grünschloß)
„Die Geschichte des Karlsruher Opernchores ist eine noch zu schreibende“, ließ Chordirektor Ulrich Wagner wissen; bereits der Markgraf und Stadtgründer Karl Wilhelm hatte professionelle Sängerinnen und Tänzerinnen an seinem Hoftheater engagiert.
Beim Konzert „Viva la diva – Steuermann, lass die Wacht“ verband Ulrich Wagner die Chöre aus drei Jahrhunderten mit seinen gewohnt eloquenten und charmanten Conferencen: Allein diese Moderationen trugen bereits wesentlich zum Gelingen des Abends bei, denn aus einen sehr kleinteiligen Konzept ein harmonisches Programm zu formen, ist nicht einfach.
Mit dem halbszenischen Abend – eine Fortsetzung des Programms „Auf den Flügeln des Gesangs“ und diesmal unterteilt nach Frauen- und Männerchören – hat man am Staatstheater unter der Regie von Andrea Raabe ein spezielles Format geschaffen: Denn sämtliche „coronatauglichen“ Opern- und Operettenaufführungen ließen in letzter Zeit keinen Raum für große Chortableaus.
(Nächste Aufführung: Samstag, 27. November, 15 Uhr).
Große Glaubensfragen, meisterhaft zum Ausdruck gebracht
| Christine Gehringer | Kritik
Konzert zum 25jährigen Jubiläum: CoroPiccolo mit Werken von Johann Sebastian Bach in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe

De CoroPiccolo unter Christian-Markus Raiser mit Musik von Bach in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe. (Foto: Gehringer)
Seit 25 Jahren sorgt der Kammerchor „CoroPiccolo“ dafür, dass an der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe nicht nur die großen Oratorien, sondern beispielsweise auch das anspruchsvolle Kantatenwerk von Johann Sebastian Bach auf hohem Niveau aufgeführt wird. Unter seinem Gründer Christian-Markus Raiser, dem Kantor der Stadtkirche, ist der CoroPiccolo zu einem Ensemble mit bester Stimmkultur gewachsen, der zu äußerst differenzierten musikalischen Deutungen fähig ist. Konzertreisen ins Ausland ergänzen dieses Engagement.
Nun, zum Jubiläumskonzert (und zugleich zum Ewigkeitssonntag), bot der Chor „Tröstliches von Bach“ - darunter die umfangreiche, wirkungsvolle Kantate „Ich hatte viel Bekümmernis“, die das menschliche Leiden und seine freudenreiche Überwindung ins Zentrum rückt.