Kritik
Rundfunk-Oper als Bühnenstück
| Christine Gehringer | Kritik
Hermann Reutters "Die Brücke von San Luis Rey" an der Musikhochschule Karlsruhe
Hermann Reutters "Die Brücke von San Luis Rey": Der seltenen Gattung der Rundfunk-Oper widmete sich jetzt das Institut für Musiktheater. (Foto: Musikhochschule Karlsruhe)
In den zwanziger Jahren kam die Gattung „Funk-Oper“ auf; eines der bedeutendsten Werke ist „Der Lindberghflug“ von Bert Brecht und Paul Hindemith aus dem Jahr 1929.
Besonders nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Popularität dieser Musikform: Denn die traditionelle Oper war politisch missbraucht und zudem überladen worden, nun musste eine reduzierte Form her.
Aus dieser Zeit stammt Hermann Reutters „Die Brücke von San Luis Rey“ nach dem Welterfolg von Thornton Wilder. 1954 wurde das Stück für den Hessischen Rundfunk produziert, später kam es auf die Bühne – und an der Musikhochschule Karlsruhe haben Andrea Raabe und Stephan Mösch das vergessene Stück jetzt neu entdeckt. Am heutigen Dienstag, den 2. Mai und am Donnerstag, den 4. Mai ist die Oper noch zu sehen.

Bildhaft und tiefsinnig
| Christine Gehringer | Kritik
Ettlinger Schubertiade: Berührender Heinrich-Heine-Liederabend mit Hans Christoph Begemann und Thomas Seybolt
Liedvertonungen von Heinrich Heine gab es bei der Ettlinger Schubertiade mit Thomas Seyboldt und Hans Christoph Begemann. (Foto: Gehringer)
Heinrich Heine ist der am häufigsten vertonte deutschsprachige Dichter: Nahezu alle bedeutenden Komponisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, dazu etliche Zeitgenossen, haben seine Texte in Musik übertragen. Das liegt vielleicht auch daran, dass Heine schon als junger Dichter genau das im Sinn hatte; seiner Lyrik liegt das Lied also bereits zu Grunde.
Wer einen Heine-Liederabend plant, der kann demnach aus dem Vollen schöpfen – so wie jetzt der Pianist Thomas Seyboldt und der Bariton Hans Christoph Begemann bei der Ettlinger Schubertiade.
Festspielwürdig ist vor allem das Orchester
| Christine Gehringer | Kritik
"Tosca" in Baden-Baden: Rattle zaubert im Orchestergraben/ Himmelmanns Inszenierung mit Schwächen
Puccinis "Tosca" (Regie: Philipp Himmelmann) bei den Osterfestspielen in Baden-Baden. (Foto: Monika Rittershaus)
Es kann einer Oper zweifellos zu Gute kommen, wenn sich ein Dirigent erstmals mit ihr auseinandersetzt. Denn er steht dann nicht in der Gefahr, das Stück zur reinen Routine verkommen zu lassen, und er glaubt auch nicht, schon alles zu wissen.
Erstmals dirigiert Simon Rattle Puccinis „Tosca“ - und geradezu mitfühlend ist der Klang, der aus dem Orchestergraben kommt. Umsichtig spielen die Berliner Philharmoniker, und dann wieder mit größter emotionaler Wucht – während die Inszenierung von Philipp Himmelmann vor allem im dritten Akt deutlich schwächelt.
Orchestrale Kraft an der Klais-Orgel
| Christine Gehringer | Kritik
"Unsterbliche Franzosen": Carsten Wiebusch spielte in der Christuskirche Karlsruhe.
Französisches Repertoire an der Klais-Orgel: Carsten Wiebusch spielte in der Christuskirche Karlsruhe. (Foto: PR)
Zum Schlussapplaus trat Carsten Wiebusch einen Schritt zur Seite und deutete demonstrativ auf die imposanten Prospektpfeifen über der Orgelempore. Ja, sie ist ein wunderbares Instrument, diese Klais-Orgel an der Christuskirche in Karlsruhe, und so zeigte sie denn auch bei einer Orgelsinfonie von Louis Vierne ihre ganze Klang-Pracht.
Eigenwilliger Eingriff ins Libretto
| Christine Gehringer | Kritik
Prachtvoll, aber mit Fragezeichen: Katharina Thoma inszeniert "Adriana Lecouvreur" am Badischen Staatstheater Karlsruhe
Barbara Dobrzanska in der Rolle der "Adriana Lecourvreur" am Staatsheater Karlsruhe (Foto: Falk von Traubenberg)
Ein Abend wie gemacht für Barbara Dobrzanska: Die beliebte Sopranistin des Badischen Staatstheaters glänzte in der Rolle der "Adriana Lecouvreur" in der gleichnamigen Oper von Francesco Cilea. Die Inszenierung von Katharina Thoma liefert rasche, farbenfrohe Bilder; insgesamt gibt das Konzept allerdings einige Rätsel auf.
"Ein feste Burg" als nationales Triumphlied
| Christine Gehringer | Kritik
"Luther in Worms" in der Stadtkirche Karlsruhe: Das Oratorium von Ludwig Meinardus entstand zur Zeit der Reichsgründung 1871
"Luther in Worms" zum Reformationsjahr: KMD Christian-Markus Raiser wartete in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe mit einer Rarität des Romantikers Ludwig Meinardus auf. (Foto: Gehringer)
Dramatisch, wuchtig, heroisch - diesen Eindruck hinterlässt das Oratorium „Luther in Worms“, das jetzt an der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe zu hören war. KMD Christian-Markus Raiser erinnerte damit an ein Werk des Romantikers Ludwig Meinardus, das heutzutage vergessen ist, das aber seinerzeit – zum 400. Geburtstag Martin Luthers 1883 – offenbar landauf, landab gespielt wurde.
Eine Karlsruher Erstaufführung – und ein durchaus interessantes Zeit-Zeugnis.
Nachtzauber und derber Humor
| Christine Gehringer | Kritik
Frühjahrskonzert des Max-Reger-Instituts mit Rinko Hama, Ruben Meliksetian und Wolfgang Meyer
Tragendes Klavierduo beim Frühjahrskonzert des Max-Reger-Instituts: Rinko Hama und Ruben Meliksetian. (Foto: PR)
Susanne Popp, Leiterin des Karlsruher Max-Reger-Instituts, bedankte sich zuerst beim Karlsruher Konzertpublikum, das trotz „heftigem Reger-Dauerbeschuss“ im Jubiläumsjahr - etwa 60 Veranstaltungen waren es allein in Karlsruhe! - offenbar nach wie vor ein "reges" Interesse zeigt.
Doch nach dem Reger-Jahr ist vor dem Reger-Jahr, und so planen Susanne Popp und ihre Kollegen bereits wieder für 2023: Dann nämlich wird der 150. Geburtstag des Komponisten gefeiert. Soviel verriet die Musikwissenschaftlerin im Rahmen des Frühjahrskonzerts, das alljährlich – und zwar ganz unabhängig von irgendwelchen Gedenktagen - Einblicke in das vielfältige Schaffen Max Regers gibt. Diesmal begeisterte das Klavierduo Rinko Hama und Ruben Meliksetian, dazu der Klarinettist Wolfgang Meyer.
Berührendes Leid der Mutter Jesu
| Christine Gehringer | Kritik
Intensive Musik: Pergolesis "Stabat Mater" bei einem Passionskonzert in der Christuskirche Karlsruhe
Pergolesis "Stabat Mater" mit dem Mädchenchor von Cantus Juvenum in der Christuskirche Karlsruhe (Foto: Gehringer)
Die Chöre der Jugendsingschule „Cantus Juvenum“ bereichern das Karlsruher Kulturleben immer wieder. Bei einem Passionskonzert in der Christuskirche unter der Leitung von Carsten Wiebusch stand jetzt der Mädchenchor im Mittelpunkt – und beeindruckte mit einem glasklaren, homogenen Klang und einem Musizieren auf allerhöchstem Niveau.