Kritik
Gesang ohne Grenzen
| Christine Gehringer | Kritik
Pikant, witzig - und versiert in allen Epochen: Das Vokalensemble Singer Pur gastierte im Ettlinger Schloss
Musikalische Zeitreise im Schloss Ettlingen: Das Vokalensemble "Singer Pur" zu Gast beim Schwarzwald-Musikfestival. (Foto: Gehringer)
Die musikalischen Wurzeln liegen bei den Regensburger Domspatzen, aber die Sänger der ersten Stunde hatten auch ein Faible für den Jazz: So erklärt sich die stilistsche Vielfalt von Singer Pur, und sie war von Anfang an ein Markenzeichen des a-capella-Ensembles. Jetzt gastierten Claudia Reinhard (Sopran), Rüdiger Ballhorn, Markus Zapp und Manuel Warwitz (Tenor), Reiner Schneider-Waterberg (Bariton) und Marcus Schmidl (Bass) im Rahmen des Schwarzwald Musikfestivals im Ettlinger Schloss: Eine kurzweilige Zeitreise durch 25 Jahre Ensemble-Geschichte.

Schlagzeug zwischen Meditation und Power
| Christine Gehringer | Kritik
Fulminanter Schlusspunkt: Simone Rubino beendet die Saison der Bruchsaler Schlosskonzerte.
Virtuose am Schlagzeug: Simone Rubino bei den Bruchsaler Schlosskonzerten. (Foto: H.D. Göhre)
Johann Sebastian Bach ist die Ruheinsel im Programm. Dieses Konzert unter dem Titel „Immortal Bach“ changiert auf eine reizvolle Art zwischen zwei Polen: An den Trommeln entlädt sich die gewaltige rhythmische Energie; die Sätze der dritten Cellosuite dagegen durchziehen das gesamte Programm wie ein roter Faden, als eine Art meditativer Rückzugsraum. Das Publikum im Schloss Bruchsal war begeistert.
Zwischen Tradition und neuen Klängen
| Christine Gehringer | Kritik
Sinnliches Japan: Das Festival "A propos" an der Karlsruher Musikhochschule rückte unter anderem die Sho ins Blickfeld.
Festival "A propos ... Japan" an der Musikhochschule: Der Deutsch-Japanische Chor unter Makitaro Arima bot ein Medley aus Volksweisen. (Foto: Gehringer)
Die Sho ist eine japanische Mundorgel, ein kunstvolles Gebilde aus Bambus, und sie hat einen markanten Klang: Er ähnelt den hellen, „metallischen“ Registern der Orgel, aber ein wenig erinnert er auch an eine Mundharmonika.
Seit dem 8. Jahrhundert wurde die Sho am japanischen Kaiserhaus in der traditionellen Hofmusik eingesetzt. Das Festival „A propos … Japan“ an der Karlsruher Musikhochschule fügte weitere Facetten hinzu.
Bereichert wurden die Konzerte unter anderem auch durch eine Ausstellung: Die Bilder von Tetsuya Nagatake sind noch bis zum 24. Mai im Foyer des Wolfgang-Rihm-Forums zu sehen.
Großes Drama und leise Töne
| Christine Gehringer | Kritik
Hilary Hahn und das Orchestre National de Lyon im Festspielhaus Baden-Baden
Die Geigerin Hilary Hahn und das Orchestre National de Lyon spielten Berlioz und Tschaikowsky im Festspielhaus Baden-Baden. (Foto: manolo press/ Michael Bode)
Der Komponist Hector Berlioz gastierte oft in Baden-Baden. Seine Oper „Béatrice et Bénédict“ wurde zur Einweihung des neuen Theaters in der Kurstadt uraufgeführt; zum Gedenken ist die Parkanlage neben dem Festspielhaus nach ihm benannt.
Und so hatte das Programm des Orchestre National de Lyon, das jetzt mit seinem Chef Leonard Slatkin und der Geigerin Hilary Hahn an der Oos gastierte, auch einen regionalen Bezug: Zu hören war Berlioz' „Symphonie fantastique“.
Hilary Hahn hingegen widmete sich Tschaikowskys Violinkonzert – und entlockte diesem Werk fabelhaft zarte Töne.
Großartige Klangregie
| Christine Gehringer | Kritik
Herbert Blomstedt und die Wiener Philarmoniker im Festspielhaus Baden-Baden
Herbert Blomstedt und die Wiener Philharmoniker gastierten im Festspielhaus Baden-Baden. (Foto: Michael Gregonowits)
Mit der Noblesse eines Gentleman steht Herbert Blomstedt am Pult, und ja, man liest richtig: Der ehemalige Chef des Gewandhausorchesters, der nach wie vor auf sämtlichen großen Bühnen dirigiert und jetzt die Ehrenmedaille der Stadt Leipzig erhält – er wird tatsächlich demnächst 90 Jahre alt.
Im Festspielhaus Baden-Baden stand der schwedische Dirigent nun am Pult der Wiener Philharmoniker; es gab einen wunderbaren Wiener Abend mit Mozart und Bruckner.
Rundfunk-Oper als Bühnenstück
| Christine Gehringer | Kritik
Hermann Reutters "Die Brücke von San Luis Rey" an der Musikhochschule Karlsruhe
Hermann Reutters "Die Brücke von San Luis Rey": Der seltenen Gattung der Rundfunk-Oper widmete sich jetzt das Institut für Musiktheater. (Foto: Musikhochschule Karlsruhe)
In den zwanziger Jahren kam die Gattung „Funk-Oper“ auf; eines der bedeutendsten Werke ist „Der Lindberghflug“ von Bert Brecht und Paul Hindemith aus dem Jahr 1929.
Besonders nach dem zweiten Weltkrieg wuchs die Popularität dieser Musikform: Denn die traditionelle Oper war politisch missbraucht und zudem überladen worden, nun musste eine reduzierte Form her.
Aus dieser Zeit stammt Hermann Reutters „Die Brücke von San Luis Rey“ nach dem Welterfolg von Thornton Wilder. 1954 wurde das Stück für den Hessischen Rundfunk produziert, später kam es auf die Bühne – und an der Musikhochschule Karlsruhe haben Andrea Raabe und Stephan Mösch das vergessene Stück jetzt neu entdeckt. Am heutigen Dienstag, den 2. Mai und am Donnerstag, den 4. Mai ist die Oper noch zu sehen.
Bildhaft und tiefsinnig
| Christine Gehringer | Kritik
Ettlinger Schubertiade: Berührender Heinrich-Heine-Liederabend mit Hans Christoph Begemann und Thomas Seybolt
Liedvertonungen von Heinrich Heine gab es bei der Ettlinger Schubertiade mit Thomas Seyboldt und Hans Christoph Begemann. (Foto: Gehringer)
Heinrich Heine ist der am häufigsten vertonte deutschsprachige Dichter: Nahezu alle bedeutenden Komponisten des 19. und frühen 20. Jahrhunderts, dazu etliche Zeitgenossen, haben seine Texte in Musik übertragen. Das liegt vielleicht auch daran, dass Heine schon als junger Dichter genau das im Sinn hatte; seiner Lyrik liegt das Lied also bereits zu Grunde.
Wer einen Heine-Liederabend plant, der kann demnach aus dem Vollen schöpfen – so wie jetzt der Pianist Thomas Seyboldt und der Bariton Hans Christoph Begemann bei der Ettlinger Schubertiade.
Festspielwürdig ist vor allem das Orchester
| Christine Gehringer | Kritik
"Tosca" in Baden-Baden: Rattle zaubert im Orchestergraben/ Himmelmanns Inszenierung mit Schwächen
Puccinis "Tosca" (Regie: Philipp Himmelmann) bei den Osterfestspielen in Baden-Baden. (Foto: Monika Rittershaus)
Es kann einer Oper zweifellos zu Gute kommen, wenn sich ein Dirigent erstmals mit ihr auseinandersetzt. Denn er steht dann nicht in der Gefahr, das Stück zur reinen Routine verkommen zu lassen, und er glaubt auch nicht, schon alles zu wissen.
Erstmals dirigiert Simon Rattle Puccinis „Tosca“ - und geradezu mitfühlend ist der Klang, der aus dem Orchestergraben kommt. Umsichtig spielen die Berliner Philharmoniker, und dann wieder mit größter emotionaler Wucht – während die Inszenierung von Philipp Himmelmann vor allem im dritten Akt deutlich schwächelt.