Ehemaliger Stephanskantor und Kirchenmusikdirektor Andreas Schröder gestorben
Wie jetzt bekannt wurde, starb der ehemalige Karlsruher Kantor und Kirchenmusikdirektor Andreas Schröder am vergangenen Samstag im Alter von 86 Jahren. Nach einem Schlaganfall hatte er zuletzt in einem Durlacher Pflegeheim gelebt.
40 Jahre lang – von 1965 bis 2005 - hatte er als Kantor der katholischen Stadtkirche St. Stephan gewirkt. Viele, die ihn erlebten, sprechen von einem „Glücksfall“; er habe mit den großen Mess-Kompositionen, für die er sich einsetzte, die Gottesdienste an St. Stephan zu musikalischen Ereignissen gemacht. Auch Kinderchöre wurden regelmäßig in die Arbeit eingebunden.
Andreas Schröder wurde 1939 in Leipzig geboren und wuchs in Dresden auf; seine erste musikalische Ausbildung erhielt er im dortigen Kreuzchor. Da ihm ein Studium in der DDR aber nicht möglich war, verließ er seine Heimat und studierte Musik in Freiburg im Breisgau. Schröder konvertierte später zum katholischen Glauben; er habe, so äußerte sich einmal in einem SWR-Interview, „immer eine Faszination für die katholische Liturgie“ gehabt. Bereits mit 26 Jahren wurde er Kantor an St. Stephan; später unterrichtete an der Karlsruher Musikhochschule, ab 1979 als Honorarprofessor.
Claus Temps, ehemaliger Fachbereichsleiter für Musik und Bildende Kunst im damaligen Kulturreferat Karlsruhe, arbeitete als ausgebildeter Sänger auch musikalisch oft mit Andreas Schröder zusammen. Er erinnert sich: „Es war unglaublich, was er auf die Beine gestellt hat.“ Die große liturgische Musik, die Messen von Mozart, Haydn oder Beethoven – das gehörte zum alltäglichen Programm und erst recht zu den Hochämtern an den Festtagen. „Schröder liebte den großen Klang, das musikalische Strahlen.“ Dazu zählten selbstverständlich auch die bedeutenden Oratorien, aber auch weniger Bekanntes: Zu seiner Verabschiedung erklang unter anderem der „Erste Psalm“ von Arnold Schönberg, zu den Europäischen Glockentagen 2004 „Das Lied von der Glocke“ von Andreas Romberg.
Seine protestantische Provenienz leugnete der Konvertit Schröder dagegen nicht - im Gegenteil, er verband beide Traditionen. So waren an St. Stephan regelmäßig auch Werke von Schütz, Buxtehude, Telemann oder Bach zu hören: „Ich habe durch ihn unzählige Bach-Kantaten kennen gelernt,“ sagt Temps. „Die Verbindung zwischen Wort und Musik war ihm wichtig, und letztlich war die Kirche voll.“
Schröder war aber nicht nur ein großartiger Chordirigent, sondern auch ein Orgelvirtuose. Er war bekannt für seine langen Orgelnachspiele, konzertierte bis ins höhere Alter, bewahrte sich dabei eine geradezu kindliche Spielfreude. Er genoss es, seine Hörer immer wieder mit originellen Programmen und überraschenden Effekten zu begeistern und setzte dabei sämtliche Register ein. Nach seinem Ausscheiden aus dem Dienst an St. Stephan suchte er sich dafür neue Wirkungsorte: zum Beispiel Ettlingen oder Durlach-Aue. Zu hören war dort aber nicht nur reine Orgelmusik, sondern auch die Orgel in Verbindung mit anderen Instrumenten. „Schröder brannte für die Musik, er hat alles aufgefahren, was ihm möglich war“, so Temps.
An St. Stephan gründete er die so genannte „Dienstags-Reihe“ mit internationalen Gästen - unter anderem musizierte dort bereits der Pariser Organist Olivier Latry. Schröder wirkte auch als Orgelsachverständiger, organisierte Orgelfahrten und schrieb regelmäßig für die katholische Wochenzeitung „Konradsblatt“. Sein zeichnerisches Talent stellte er in den von ihm kunstvoll gestalteten „Orgelkalendern“ unter Beweis: An den detailgenauen Abbildungen erkannte man seinen ursprünglichen Berufswunsch - Architekt.
Im Jahr 1982 rief er gemeinsam mit seinem evangelischen Kollegen Hans Joachim Haarbeck (Christuskirche) die „Karlsruher Musiktage“ ins Leben. Sie waren jährlich einem Komponisten gewidmet. Schröder und Haarbeck sorgten damit nicht nur für ein gutes ökumenisches Miteinander - sondern die Veranstaltungsreihe (in Kooperation mit der Stadt Karlsruhe, der Universität und der Hochschule für Musik) war bis 2003 auch ein Höhepunkt im Karlsruher Konzertleben.
Als Pädagoge hat Andreas Schröder unter anderem Schüler unterrichtet, die sich später selbst in der Region einen Namen gemacht haben: etwa den Orgelsachverständigen Michael Gerhard Kaufmann, Hochschullehrer in Heidelberg, den Bruchsaler Bezirkskantor Dominik Axtmann oder den Landauer Kirchenmusiker Rudolf Peter.
Im Jahr 2000 wurde Andreas Schröder mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet. Zahlreiche Schallplatten- und Rundfunkaufnahmen an verschiedenen Orgeln in und außerhalb Karlsruhes liegen von ihm vor.