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“Polnische Hochzeit“: Junges Kollektiv MusikTheater zeigt Operette des Zwischenkriegs-Komponisten Joseph Beer

| Christine Gehringer | PAMINA kurz notiert

Das „Junge Kollektiv MusikTheater“ - ein Zusammenschluss aus Studierenden der Karlsruher Musikhochschule und jungen Künstlern, die bereits im Engagement stehen – ist mittlerweile bekannt für seine sommerlichen Opern- und Operettenproduktionen an ungewöhnlichen Orten.
Diesmal hat sich die Gruppe um Regisseurin Rebecca Gärtner ein nahezu unbekanntes Werk eines vergessenen jüdischen Komponisten vorgenommen: „Polnische Hochzeit“ von Joseph Beer (1908-1987) ist die Geschichte des jungen Boleslav, der als Exilant in seine polnische Heimat zurückkehrt und dort seine Jugendliebe Jadja heiraten will (eine ausführliche Besprechung folgt).
Jadja ist allerdings schon dem reichen, aber wesentlich älteren Staschek versprochen – ihr Vater hat das so arrangiert, da der Gutshof der Familie eine Finanzspritze gut gebrauchen kann. Auf dem Hof selbst hat allerdings die resolute Suza das Sagen, die auch sonst um keinen Plan verlegen ist, wenn es darum geht, die Ereignisse in die richtige Richtung zu lenken. Sie sorgt dafür, dass – nach einigen Verwirrungen – die richtigen Paare schließlich zusammenkommen, was nicht zuletzt dadurch gelingt, dass der alte Staschek (ganz in „Don-Pasquale-Manier“) am Ende übertölpelt wird.

Die Geschichte spielt um 1830, nach der dritten polnischen Teilung. Dieses Polen wird in der Operette als ein verklärter Ort dargestellt, den es so vielleicht nie gegeben hat. Geschichtlicher Hintergrund sind unter anderem die Aufstände gegen die russische Fremdherrschaft – und dieses Sujet hat nicht nur einen aktuellen Bezug (denn der Komponist Joseph Beer wurde in der heutigen West-Ukraine, damals Teil der Habsburgermonarchie, geboren) – sondern schon damals entsprach das Schicksal des Exilanten Boleslav seinem eigenen: Aufgrund der sich zuspitzenden Lage für Juden ab 1933 ging die Urauffühung der Operette (1937) bereits in der neutralen Schweiz, in Zürich, über die Bühne. Nur ein Jahr später folgte der Anschluss Österreichs ans Deutsche Reich. Joseph Beer gelingt zwar die Flucht nach Frankreich, seine Lemberger Familie wird jedoch von den Nazis verschleppt und ermordet.

Musikalisch ist die „Polnische Hochzeit“ eine spritzige Mischung aus stilisierten slawischen Tänzen (manches erinnert an Emmerich Kálmán) und der Unterhaltungsmusik der Zwanziger und Dreißiger Jahre – aus Filmschlagern, Modetänzen, Jazz-Elementen.
Von den Akteuren des Künstlerkollektivs wird die Operette ebenso schwungvoll, klangschön und spielfreudig umgesetzt; Aufführungsort ist diesmal das Areal der Hotelwelt Kübler, der Eingang erfolgt über das „Badisch Brauhaus“ (Stephanienstraße 38-40).
Premiere war gestern abend; noch zweimal ist die Operette zu sehen: Am morgigen Freitag, den 22. August und am Samstag, den 23. August (jeweils um 19.30 Uhr). Der Eintritt ist frei, das Junge Kollektiv MusikTheater bittet jedoch um Spenden. (Informationen und Reservierungen unter www.jungeskollektivmusiktheater.de)
Hinweis: Nach Informationen des Jungen Kollektivs sind die Vorstellungen ausgebucht, es gibt jedoch eine Warteliste.