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Glanzvoller Auftakt: Staatstheater Karlsruher startet mit "Les Boréades" von Jean-Philippe Rameau in die Opernsaison

| Christine Gehringer | PAMINA kurz notiert

Einen großartigen, spektakulären Beginn der neuen Karlsruher Opernspielzeit erlebten die Besucher des Staatstheaters am vergangenen Wochenende (ausführliche Besprechung folgt): Mit „Les Boréades“ von Jean-Philippe Rameau kommt ein Werk von höchster Seltenheit auf die Bühne.
Der politisch brisante Stoff – es geht um eine Königin (Alphise), die ihren Ehemann nicht nach alter Tradition, sondern aus Liebe wählt und obendrein noch ihr Volk über ihre Herrschaft entscheiden lässt – er fiel seinerzeit erst einmal (mutmaßlich) der Zensur zum Opfer. Denn hier siegt der Geist der Aufklärung über die Finsternis der Tyrannei, hier werden die Herrschenden in ein äußerst ungünstiges Licht gerückt. Der Stoff hat im Grunde nichts von seiner Aktualität verloren.

Im Jahr 1763, nach dem Ende des Siebenjährigen Kriegs, sollte die Oper aufgeführt werden, doch schon nach zwei Proben brach die Arbeit ab. Zur (konzertanten) Uraufführung gelangte das Werk erst 1975, die teuren Aufführungsrechte ließen nur wenige Produktionen zu.
Kurz nach Ablauf der Schutzfrist zeigte das Theater Oldenburg das Werk in einer Inszenierung von Christoph von Bernuth – erstmals in Deutschland – und das neue Leitungsteam des Staatstheaters brachte das Werk nun auch in Karlsruhe auf die Bühne. Mit seinen Tanz-Einlagen ist die Oper zudem ein spartenübergreifendes Projekt.

Das Regieteam schuf hier große ästherische Tableaus, für die nicht zuletzt das Badische Staatsballett sorgt; mit klaren Kontrasten wird das neue „erleuchtete“ Zeitalter gegen die Unterdrückung gestellt. Die Boreaden dagegen, die den Thron beanspruchen, werden durch Widersprüchlichkeiten und ironischen Überzeichnungen gekonnt der Lächerlichkeit preisgegeben. Ihnen bleibt im Grunde nichts weiter als das Mittel des Kriegs und der Zerstörung – und hier erlebt man das wohl gewaltigste Unwetter, das die Möglichkeiten des Theaters hergeben.
In den Hauptrollen der Alphise und des Abaris überzeugen restlos Anastasiya Taratorkina und Mathias Vidal, dazu Martha Eason als Sémire. Am Pult der Badischen Staatskapelle verwandelt Attilio Cremonesi, den Karlsruhern bekannt durch die Händelfestspiele, das Orchester derweil in einen barocken Klangkörper: Schlank, seidig, mit tänzerischem Puls und mit großer Leichtigkeit. Große Begeisterung beim Premierenpublikum.