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Händel-Festspiele auch im nächsten Jahr mit üppigem Programm/ Vorverkauf ab 13. November

| Christine Gehringer | PAMINA kurz notiert

Am 20. Februar 2026 starten die kommenden Karlsruher Händel-Festspiele - und trotz Einsparungen in Millionenhöhe, denen das Staatstheater künftig entgegen sieht, ließ das Leitungsteam auf der gestrigen Pressekonferenz wissen: „Wir wollen uns die Festspiele auch künftig leisten“. Das Festival sei ein „Leuchtturm“ mit entsprechender Reputation – und dies weit über die Stadt hinaus. Bis zum 8. März 2026 stehen fast 30 Opernaufführungen, Konzerte und Vorträge auf dem Programm; der reguläre Vorverkauf für alle Veranstaltungen startet am 13. November.

Auch wenn Händel persönlich nie in Karlsruhe gewesen ist: Intendant Christian Firmbach sagt, er sei seinem „Vor-Vor-Vorgänger“ Günter Könemann sehr dankbar, dass er dieses Festival ins Leben gerufen habe, denn: „Inzwischen gibt es einen barocken Markt; heute hat jedes Haus Barock im Repertoire.“ Auch Karlsruhe folgt diesem Trend: Mit der Oper „Les Boréades“ von Jean-Philippe Rameau hatte vor kurzem ein weiteres Werk aus Händels Zeit am Staatstheater Premiere; das Stück ist ebenso Teil der Händel-Festspiele.

Ansonsten dürfen sich die Freunde der Barockmusik gleich auf drei Opern beim kommenden Festival freuen. Hauptproduktion ist Händels „Tamerlano“ - musikalisch interpretiert von René Jacobs und dem Freiburger Barockorchester. Konzertant steht dieses Werk bei den Freiburgern bereits auf dem Tourneeplan, doch in Karlsruhe kommt die Oper nun auch szenisch, in der Regie von Kobie van Rensburg, auf die Bühne. Zwischen dem 20. Februar und dem 3. März 2026 ist „Tamerlano“ fünfmal zu sehen, und dies ist auch die einzige Gelegenheit - denn das Stück wird aus Kostengründen im Jahr 2027 nicht wieder aufgenommen.
Auch „Rinaldo“ kommt in Karlsruhe nochmals auf die Bühne, und zwar ab dem 27. Februar. Daneben ist die Pastoraloper „Atalanta“ (ab 28. Februar) in konzertanter Form zu erleben: Mit der Karlsruher Christuskirche hat man dafür einen außergewöhnlichen Spielort gewählt. Lars-Ulrik Mortensen dirigiert die Deutschen Händel-Solisten; unter anderem ist auch Dennis Orellana zu hören - der Sieger des Farinelli-Wettbewerbs für Counter-Tenöre, der bei den vergangenen Festspielen erstmals ausgetragen wurde.

Auch 2026 treten wieder 24 Kandidaten vor einer fünfköpfigen Jury an - das Finale des Farinelli-Wettbewerbs wird im kommenden Jahr sogar ins Große Haus verlegt. Den ersten und zweiten Preis (dotiert mit 5000 und 2500 Euro) stiftet die Karlsuher Händel-Gesellschaft, daneben ist unter anderem ein Nachwuchs- und ein Publikumspreis zu vergeben. Die Premiere des Wettbewerbs hatte in diesem Jahr auch international für Interesse gesorgt: Der Online-Stream des Finales verzeichnete 18000 Aufrufe; die Teilnehmer, so die Verantwortlichen, hätten inzwischen etliche Engagements erhalten.

Daneben gibt es erneut ein attraktives Konzert- und Rahmenprogramm: zum Beispiel einen Festvortrag des Historikers Markus Koller unter dem Motto „Tamerlan – Eroberer und Mäzen“. Händels „Tamerlano“ ist ein politischer Stoff; hier geht es um Themen wie „Tyrannei“ und „Befreiung“ – und so stehen auch Veranstaltungen mit aktueller politischer Brisanz auf dem Spielplan: Denn der 24. Februar ist nicht mehr nur Händels Geburtstag, sondern auch der Jahrestag des Überfalls auf die Ukraine. Unter dem Titel „Libera me“ ist deshalb ein Orgelkonzert in der Karlsruher Christuskirche mit der ukrainischen Organistin Nadiya Velychko zu hören; sie lebt seit Kriegsausbruch in Potsdam und stellt unter anderem Komponisten aus ihrer Heimat vor.
Die musikalische Lesung „Die Kunst der Flucht“ in der Badischen Landesbibliothek rückt Schilderungen von politischen Gefangenen ins Zentrum; musikalisch begleitet wird der Vortrag von Bachs „Kunst der Fuge“. Auch eine Kooperation mit der „Schauburg“ ist wieder Teil des Festivals: Zu sehen ist „Barry Lyndon“ von Stanley Kubrick.

Die Deutschen Händel-Solisten und der Sopranist Maayan Licht gestalten das Gala-Konzert - mit barocken Arien, aber auch mit modernen Komponisten, die sich vom Barock inspirieren ließen (wie zum Beispiel Britten, Ralph Vaughan Williams und Arvo Pärt). Mit dem traditionellen Kammerkonzert präsentieren sich die Händel-Solisten außerdem in kleiner Besetzung, und im Festkonzert mit Andrea Marcon stehen „Concerti, Arien Duette zwischen Tyrannei und Versöhnung" auf dem Programm.
Im Stadtpalais Solms gibt es erneut eine Händel-Geburtstags-Party im „Salon-Stil“, und das Janoska-Ensemble aus Bratislava ist mit einem Crossover-Konzert unter dem Motto „Revolution!“ zu erleben.

Tradition hat ebenso der Ökumenische Festgottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche - diesmal mit Auszügen aus Händels „Dixit Dominus“. Das ganze Werk ist auch in einem Konzert unter dem Titel „Glanz und Stille“ zu hören. Kantor Christian-Markus Raiser leitet den CoroPiccolo und die Badische Staatskapelle.
Ein besonderer Beitrag der Karlsruher Händel-Gesellschaft ist die Förderung des barocken Nachwuchses: Der Händel-Jugendwettbewerb mit seinem Preisträgerkonzert im Rahmen der Festspiele öffnet sich für weitere Kandidaten - nun auch aus der Nordwestschweiz, aus Vorarlberg, dazu den französischen Départements Lorraine und Franche-Comté.

Und schließlich warten auch die jungen Künstler der Karlsruher Händel-Akademie mit einer vielversprechenden Produktion auf: Unter professioneller Anleitung entwickeln die Teilnehmer selbst ein Opern-Pasticcio auf der Grundlage des Tamerlano-Librettos; „Bejazet und Tamerlano“ ist als konzertante Aufführung zu erleben.

Das vollständige Programm und alle weiteren Informationen gibt es unter www.staatstheater.karlsruhe.de