Musikaliensammlung der Donaueschinger Hofbibliothek komplett digital
(red.) Vor kurzem hat die Badische Landesbibliothek in Karlsruhe die Digitalisierung der Musikbestände aus dem Fürstlich Fürstenbergischem Besitz abgeschlossen. Die Sammlung überliefert das Notenmaterial der 1762 in Donaueschingen gegründeten Hofkapelle und des 1784 errichteten Hoftheaters. Sie umfasst rund 3600 Handschriften und etwa 5300 Drucke vom 16. bis zum 20. Jahrhundert, darunter eine Mozart-Sammlung von außergewöhnlichem Quellenwert, heißt es in einer Mitteilung. Die Sammlung sei „einzigartig hinsichtlich ihrer Geschlossenheit und ihrer ausgewogenen Mischung nahezu aller musikalischen Gattungen“. Nach Abschluss der Digitalisierung stehen nun alle Werke weltweit rund um die Uhr zur Verfügung.
Finanziert wurde die Digitalisierung der Donaueschinger Musiksammlung von der Stiftung Kulturgut Baden-Württemberg. Unterstützt durch die Kulturstiftung der Länder und die Badische Bibliotheksgesellschaft habe sie sich bereits beim Ankauf aus dem Privatbesitz des Fürstenhauses herausragend engagiert und über fünfzehn Jahre hinweg das Digitalisierungsprojekt ermöglicht.
Begonnen wurde die Digitalisierung der Donaueschinger Musikalien 2011 mit den Widmungskompositionen, die zu festlichen Anlässen des Herrscherhauses wie Geburtstagen, Ehe- oder Regierungsjubiläen entstanden sind und im Bestand eine eigene Gruppe bilden. 2013 folgte die Fortsetzung mit den frühesten Werken, darunter berühmte Lautenbücher wie die von Sebastian Ochsenkuhn (Heidelberg 1558), Giulio Cesare Barbetta (Straßburg 1582) und Sixt Kargel (Straßburg 1586).
Auch Mozarts Opern wurden zu seinen Lebzeiten am Donaueschinger Hof aufgeführt; die Noten sind erhalten geblieben. „Die von Mozart selbst nach Donaueschingen verkauften Abschriften seiner Opern und die von ihm eigenhändig durchgesehenen Noten seiner Sinfonien haben heute den Rang von musikalischen Primärquellen“, heißt es in der Mitteilung weiter. Nirgendwo sonst in Deutschland hätten sich so viele Mozart-Handschriften erhalten.
Im Bestand finden sich aber nicht nur die Werke der Donaueschinger Hofmusikdirektoren, sondern auch die Werke der Hofkapellmeister in den benachbarten fürstlichen Residenzen Bruchsal, Karlsruhe, Mannheim, Straßburg oder Stuttgart: zum Beispiel von Niccolò Jommelli (1714–1774) Johann Evangelist Brandl (1760–1837), Johann Abraham Sixt (1757–1797), Franz Danzi (1763–1826), Conradin Kreutzer (1780–1849) oder Johann Wenzel Kalliwoda (1801–1866).
Auch viele durchreisende Künstler besuchten den Hof in Donaueschingen, wie zum Beispiel Franz Liszt. Überliefert sind auch zahlreiche Werke von Komponistinnen, deren Werke in den letzten Jahren immer mehr Interesse finden.
Die Musikaliendigitalisierung wird jetzt mit dem Bestand der Schlossbibliothek Baden-Baden fortgesetzt.