Trauerfeier für Klaus von Trotha: Verneigung vor einem herausragenden Lebenswerk
Am 29. November des vergangenen Jahres verstarb in Baden-Baden Klaus von Trotha, früherer Minister für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg – und da sich der hoch geschätzte CDU-Politiker bis zuletzt für Musik, Theater und Literatur engagierte, war es folgerichtig, dass die Familie des Verstorbenen nun gemeinsam mit dem Ministerium zu einer Trauerfeier an die Musikhochschule Karlsruhe lud. Noch bis kurz vor seinem Tod hatte er hier mit seiner Frau, der Kulturwissenschaftlerin Caroline Robertson-von Trotha, Veranstaltungen besucht.
Es war ein würdevolles Gedenken im Wolfgang-Rihm-Forum: Die Beiträge der Redner ehrten ein herausragendes Lebenswerk; die begleitende Musik zur Feier hatte der Verstorbene noch selbst ausgewählt.
„Die Herrschaft über den Augenblick ist die Herrschaft über das Leben“. Dieses Zitat der Dichterin Marie von Ebner-Eschenbach, mit dem auch die Traueranzeige der Familie überschrieben war, verriet viel von der Lebenseinstellung Klaus von Trothas. Darauf verwies auch Ministerpräsident Winfried Kretschmann in seiner Würdigung: Von Trotha, 1938 in Berlin geboren und nach verschiedenen Stationen in Baden-Württemberg heimisch geworden, habe sein Leben „mit Weitblick und Tatkraft“ gestaltet. Er sei auf vielfältige Weise engagiert gewesen; „noch heute ernten wir die Früchte seines Wirkens“.
Das betrifft vor allem die Hochschulreform während der 1990er Jahre - mit dem Fokus auf der Eigenständigkeit der Hochschulen und auf flachen Hierarchien, dazu der Bereitschaft sich zu vernetzen und im internationalen Wettbewerb zu bestehen. Klaus von Trotha sei diese Reform „mutig und entschlossen gegen Widerstände“ angegangen; ihm sei es zu verdanken, dass Baden-Württemberg heute zu den innovativsten Standorten der Welt zähle.
Auch in der Kunst habe er den Weg für Neues frei gemacht: etwa für das Archäologische Landesmuseum in Konstanz, für das Zentrum für Kunst und Medientechnologie (ZKM) in Karlsruhe oder die Filmakademie in Ludwigsburg.
Dabei sei er stets ein „Mann von Format gewesen“, so Kretschmann - und ganz offensichtlich, das wurde in sämtlichen Beiträgen deutlich, gehörte Klaus von Trotha auch einem Typus von Politikern an, den man heutzutage immer seltener findet: durchsetzungsstark, aber nie polemisch; hochgebildet, aber nie arrogant, sondern vielmehr zugewandt, mit einem klaren Blick. „Eben ein feiner Mensch“, so schildert ihn Winfried Kretschmann.
Klaus von Trotha war Protestant, wenn auch nicht in einem streng religiösen Sinne, und so so fühlte er sich der Gesellschaft verpflichtet – ganz nach dem Zitat des Apostels Paulus: „Einer trage des anderen Last“.
Andreas Jung, der Stellvertretende Vorsitzende der CDU Deutschlands und Bundestagsabgeordneter des Wahlkreises Konstanz, erinnerte in humorvollem Ton an den Verstorbenen: In jungen Jahren habe er selbst einmal für Klaus von Trotha Wahlkampf gemacht, „aber das war gar nicht so schwierig“, denn Klaus von Trotha sei „ein Mann von Welt gewesen“; ein Redner mit geschliffener Zunge, der seine Debatten „so führte, dass kaum jemand mithalten konnte“. Das sei eher ein „politisches Seminar gewesen als ein Wahlkampf, bei dem man helfen musste“. Außerdem sei es dem sportbegeisterten von Trotha – er war auch ein passabler Tennisspieler – bisweilen gelungen, den im Match unterlegenen Partner hinterher auch für die CDU zu gewinnen.
Klaus von Trotha verband preußische Tugenden mit badischer Liberalität
Als der studierte Jurist Klaus von Trotha 1967 nach Konstanz kam (damals ein „verschlafenes Nest“, so Jung, sozusagen „The End of The Länd“) - da habe er „frischen Wind“ in die Stadt gebracht, wirkte unter anderem am Aufbau der Universität mit. „Die Wissenschaft war sein Standbein, die Kunst sein Spielbein“, so Jung. Und Trotha, der „Menschenfänger“, gewann die Konstanzer ganz offensichtlich für sich: Über 25 Jahre lang holte er als Landtagsabgeordneter das Direktmandat in seiner sprichwörtlichen „Wahl-Heimat“. Er sei ein überzeugter Christdemokrat gewesen, aber kein Parteisoldat. Eine Offenheit im Denken, dazu die Bereitschaft, mit klarer Haltung in Freiheit zu dienen – das habe ihn als Politiker ausgezeichnet.
Er habe „preußische Tugenden mit badischer Liberalität“ verbunden, und darüber hinaus hatte er auch einen Sinn für Humor, den er auch in den schwierigsten Debatten behielt. Ebenso sei es ihm gelungen, mit den Studierenden ins Gespräch zu kommen, die seinerzeit an der Universität Konstanz gegen die Langzeitstudiengebühren protestiert hatten.
Doch Klaus von Trotha war sich vor allem auch des Vermächtnisses seiner Eltern bewusst: Carl Dietrich und Margarete von Trotha engagierten sich im Kreisauer Kreis, leisteten Widerstand gegen die Nationalsozialisten. Dies betonte Barbara Traub, die Vorsitzende des Kuratoriums der Hochschule für Jüdische Studien in Heidelberg, in ihrem per Video zugespielten Beitrag. Vehement habe Klaus von Trotha den Gedanken der Freiheit vertreten, die heutzutage erneut in Gefahr sei. Er sei „streitbar und wohlwollend zugleich“ gewesen.
Zeitlebens engagierte sich Klaus von Trotha für die Aussöhnung mit Israel – und zwar schon sehr früh, als Student in der Deutsch-Israelischen Hochschulgruppe in München, die er selbst mitbegründet hatte. Als protestantischer Christ habe er zudem stets an die jüdischen Wurzeln erinnert, die beiden Kulturen gemeinsam sind, so Traub. „Klaus von Trotha war ein leuchtendes Beispiel für Menschlichkeit; möge sein Andenken ein Segen sein.“
Der Karlsruher Oberbürgermeister Klaus Mentrup erinnerte nochmals an die Verdienste Klaus von Trothas im Bereich der Wissenschaften – und dabei auch an den Standort Karlsruhe mit seinen vielfältigen Hochschularten. Er betonte, dass das Konzept der Eigenverantwortung der Hochschulen ein Bekenntnis zur Freiheit und damit zur Kreativität sei. Außerdem dürften sich die Wissenschaften nicht in den „Elfenbeinturm“ zurück ziehen; vielmehr müsse Wissenschaft „öffentlich“ sein und immer wieder in die Gesellschaft eingebracht werden.
Wolf von Trotha, der Vorsitzende des Familienverbands von Trotha, verwies schließlich darauf, wie sehr der Charakter und das Wesen der Eltern Klaus von Trotha in seinem Denken geprägt habe. Er habe „Verantwortung für die Vergangenheit und für die Zukunft“ übernommen – und zwar bis ins hohe Alter: „Sein Wirken war vorbildhaft“.
Dass außerdem Musiktheater-Einrichtungen in erreichbarer Nähe liegen – das sei Klaus von Trotha wichtig gewesen, und so erwies sich schließlich, nach vielen Lebensstationen, Gaggenau als ein idealer Wohnort.
Seine Liebe zur Musik zeigte Klaus von Trotha unter anderem auch in der Schirmherrschaft für das Vocalensemble Rastatt, dem er bis zuletzt eng verbunden war. Der Kammerchor unter der Leitung von Holger Speck (mit Ayala Rosenbaum, Orgel) umrahmte die Gedenkfeier: Johann Sebastian Bachs Motette „Komm Jesu, komm“ - klar artikuliert und in bester Klangbalance - verwies nicht nur auf die Todesnähe und eine damit verbundene christliche Hoffnung, sondern auch auf die protestantische Provenienz des Verstorbenen. Gedanken an die Ewigkeit und an den Rückzug aus dem „Weltgewühle“ kamen auch in der ätherischen „Mondnacht“ (nach Robert Schumann, hier in einer Bearbeitung von Clytus Gottwald) und einer buchstäblich weltvergessenen „Waldesnacht“ von Johannes Brahms zum Ausdruck.
Julius Kircher (Klarinette) und Jhih-Ting Wong (Klavier) zeigten schließlich mit einem zarten, versunkenen „Andante“ - aus Mendelssohns Es-Dur-Klarinettensonate - Klaus von Trothas Verbundenheit mit dem Judentum.