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"Weihnacht" vor 850 Jahren erstmals besungen

| Christine Gehringer | PAMINA kurz notiert

(red.) "Weihnachten“ - die „geweihte Nacht“ - wurde erstmals vor etwa 850 Jahren besungen, und zwar vermutlich im Kraichgau, genauer: in der Nähe von Sinsheim. Dies beschreibt der Bruchsaler Politikwissenschaftler Thomas Adam, zugleich auch Leiter des Städtischen Museum im Schloss Bruchsal, in seinem Buch „Der Kraichgau. Eine kleine Geschichte“.
In zwei etwa gleichzeitigen Belegen - einer Predigtsammlung und einem Minnesang aus der Zeit um 1170 - ist erstmals von „wîhe naht“ im Sinne einer „heiligen Nacht“ die Rede. Durch einen fahrenden Sänger gelangte der Begriff ins Deutsche: Der Minnesänger Spervogel entstammte dem Bauernstand, entschied sich dann für das Leben eines volkstümlichen Spielmanns und kam in der zweiten Hälfte des 12. Jahrhunderts auf seinen weiten Reisen in den Kraichgau – zur Burg Weiler auf dem Steinsberg unweit von Sinsheim.
Hier besang Spervogel überschwänglich die Freigebigkeit seines Gönners, des edelfreien Burgherrn Werinhard, Graf im Elsenzgau, „der ûf Steinsberc saz“. In denselben Versen, in denen er Werinhard lobt, spricht er auch von Christus: „Er ist gewaltic unde starc, der ze wihen naht geborn wart.“
In einem Atemzug mit dem Steinsberg wird somit das Bild von der „geweihten Nacht“ in den deutschen Wortschatz eingeführt. Auf der Textgrundlage von Spervogels Spruchdichtung schuf übrigens der Komponist Friedrich Robert Volkmann vor genau 150 Jahren, 1867, seine Motette „Weihnachtslied aus dem 12. Jahrhundert“.