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Internationaler Klavierwettbewerb Ettlingen startet am 2. August/ zuvor Gala-Konzert mit Boris Giltburg

| Christine Gehringer | PAMINA kurz notiert

Der Internationale Klavierwettbewerb Ettlingen feiert in diesem Jahr ein Jubiläum: Zum 20. Mal wird das malerische Städtchen an der Alb im Sommer zum Mittelpunkt junger Tastentalente aus aller Welt. Vom 2. bis 8. August stellen sich die Kandidatinnen und Kandidaten den öffentlichen Wertungsspielen im Asamsaal des Ettlinger Schlosses; die Preisträger präsentieren sich dann am Sonntag, den 9. August, ab 11.30 Uhr beim traditionellen Konzert in der Stadthalle.
In diesem Jahr haben sich 437 Bewerber angemeldet – die meisten davon stammen, wie schon in den Jahren zuvor, aus dem asiatischen Raum. 32 Bewerbungen kamen aus den USA, 25 aus Deutschland. Damit habe man beinahe die Rekordmarke von 2024 mit 443 Anmeldungen erreicht, erklärte der organisatorische Leiter Frank Reich beim heutigen Pressegespräch im Ettlinger Rathaus. Mit einer derart großen Anzahl an Teilnehmern habe man angesichts der politischen und wirtschaftlichen Lage nicht gerechnet. Am letzten Tag seien sogar noch 200 Anmeldungen eingegangen.
Eine dreiköpfige Jury um den künstlerischen Leiter Robert Benz hat sich inzwischen durch die eingesandten Aufnahmen durchgehört – und zwar ohne Kenntnis der Namen und der Nationalität. Letztlich wurden 85 Kandidaten ausgewählt und zur Endrunde nach Ettlingen eingeladen. „Das Niveau ist dabei so unverändert hoch, dass man es sich kaum noch höher vorstellen kann“, sagt Benz erfreut.

Seit 1988 sind aus dem Ettlinger Klavierwettbewerb Preisträger immer wieder hervorgegangen, die längst eine internationale Karriere gemacht haben: Der oft genannte Lang Lang etwa, aber auch Lise de La Salle oder Boris Giltburg, der zu den führenden Pianisten seiner Generation gehört.
Giltburg bestreitet auch das Gala-Konzert am Samstag, den 1. August um 19.30 Uhr im Asamsaal – und zwar unter anderem mit der berühmten „Chaconne“ von Johann Sebastian Bach (aus der Partita für Violine BWV 1004) in einer Bearbeitung von Ferruccio Busoni. Dieses Werk hatte er schon bei seinem Klavierabend 1999 im Ettlinger Schloss präsentiert, nachdem er den Wettbewerb ein Jahr zuvor gewonnen hatte. Karten für dieses Konzert sind ab sofort für 40 Euro bei der Touristinfo Ettlingen sowie unter www.ettlingen.de/klavierwettbewerb erhältlich.

Wertungsspiele: Halbtagestickets für 5 Euro

Darüber hinaus, so Frank Reich, sei Giltburg nicht nur als Mensch bescheiden und bodenständig, sondern „er ist auch als Wettbewerbs-Teilnehmer ein Vorbild“. 1994 bewarb er sich erstmals – und kam erstaunlicherweise nicht über die Vorrunde hinaus. „Das hat ihn aber nicht demotiviert. Es war nicht so, wie wir das heute oft erleben: Dass dann nachgefragt wird, wie das denn sein könne, ob die Jury vielleicht nicht richtig hingehört hat“, erzählt Reich.
Bei Boris Giltburg war das Gegenteil der Fall: Er versuchte es zwei Jahre später nochmals und gewann den zweiten Preis in der Kategorie der Jüngeren. 1998 wäre er noch jung genug gewesen, um erneut in der Kategorie A anzutreten – doch stattdessen reüssierte er jetzt bei den Älteren.

Nach dem Gala-Konzert gehört der Asamsaal dann eine Woche lang den jungen Gästen aus aller Welt, die zudem durch die Musikschule Ettlingen unter anderem mit Instrumenten und Überäumen unterstützt werden.
Doch eine Neuerung gibt es: Bisher konnte man die öffentlichen Wertungsspiele der beiden Kategorien (bis 15 Jahre und bis 22 Jahre) bei freiem Eintritt besuchen, jetzt muss man dafür ein Halbtagesticket für 5 Euro erwerben. „Wir halten das für einen vertretbaren Betrag, wenn man beachtet, dass es sich um einen der hochkarätigsten Klavierwettbewerb weltweit handelt“, betont Oberbürgermeister Johannes Arnold.

Ihm sei außerdem wichtig, „alles dafür zu tun, eine solche Einrichtung wie den Wettbewerb über die Finanzkrise hinaus zu retten“. Denn überall werde ansonsten zuerst an Kunst und Kultur gespart. Deshalb sei man froh über die Unterstützung seitens des Porsche-Zentrums - dem Hauptsponsor seit 2023 - und der Sparkasse Karlsruhe, Premiumsponsor und Finanzpartner des Wettbewerbs seit der Erstaustragung. Ohnehin werde die Finanzierung eine Herausforderung für die Zukunft, so Arnold, wenn man die Situation in der Wirtschaft im allgemeinen und in der Automobilindustrie sehe.
In diesem Jahr können jedoch zehn Hauptpreise im Gesamtwert von über 15.000 Euro und zahlreiche Sonderpreise vergeben werden – und zur Förderung gehört auch, dass der Preisträger der Kategorie bis 22 Jahre Einladungen zu Konzerten in Ettlingen und in anderen Städten erhält.

Ehrenamtliche Helfer gesucht

Ein besonderes Geschenk zum Jubiläum macht außerdem der Ettlinger Künstler Rudi Bannwarth – und zwar mit einer dreiteiligen Holzskulptur. Sie zeigt eine junge Pianistin neben einem Flügel vor der Kulisse des Ettlinger Schlosses und des Lauerturms. Aus dem Flügel wiederum wachsen „Engelsflügel“: Ein Zeichen dafür, dass Musik „beflügeln“ soll - nicht nur die Künstlerin zum erfolgreichen Vorspiel, sondern auch ihre Zuhörer. Die Skulptur werde auf eine „kleine Reise durch Ettlingen“ gehen, so Kulturamtsleiter Christoph Bader: Ab Ende Juni ist sie im Porsche-Zentrum zu sehen, anschließend in der Touristinfo, und zum Wettbewerb dann im Ettlinger Schloss.

Zum „Flair“ des Ettlinger Klavierwettbewerbs gehört letztlich auch, dass sich hier viele ehrenamtliche Bürgerinnen und Bürger der Stadt engagieren, die den Wettbewerb entscheidend tragen: Familien, die ihre Häuser für die jungen Talente öffnen, oder Helferinnen und Helfer, die sich an der Organisation beteiligen. Derzeit werden noch Privatquartiere und Helfer gesucht. Interessierte werden gebeten, sich bei Frank Reich unter Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein. zu melden.