GMD Georg Fritzsch stellt seine letzte Konzertsaison vor
Vor kurzem hat der scheidende GMD Georg Fritzsch seine letzte Konzertsaison am Staatstheater vorgestellt – und dass dies traditionell in einer eigenen Pressekonferenz geschehe, das zeige den Stellenwert der Staatskapelle und ihre Bedeutung für die gesamte Stadt, so Intendant Christian Firmbach.
Vor allem im späten 19. Jahrhundert war Karlsruhe eine Musikstadt ersten Ranges, und dazu gehört unter anderem auch eine Brahms-Tradition. Daran knüpft die Badische Staatskapelle zum Beispiel in einem Sonderkonzert am morgigen Samstag, den 11. Juli: Ab 20 Uhr sind im Konzerthaus die Klavierkonzerte Nr. 1 und 2 von Brahms zu hören – mit Gerhard Oppitz als Solisten und mit Georg Fritzsch am Pult. Eine Empfehlung für Kurzentschlossene.
Die kommende Saison steht für Fritzsch unter dem Beethoven-Motto „Von Herzen, möge es wieder zu Herzen gehen“ (damit überschrieb Beethoven einst seine „Missa solemnis“). Das betrifft allerdings seine gesamte Arbeit als Orchesterchef; bereits in der ersten Pressekonferenz am Staatstheater vor sechs Jahren hatte Fritzsch seine „Herzensmusik“ angekündigt. So ist es ihm zum Beispiel ein Anliegen, möglichst viele Jahrhunderte in der Musikgeschichte abzubilden, das europäische Musikleben zu den verschiedenen Zeiten darzustellen. Viele Anregungen kämen dabei aus dem Orchester selbst, so Fritzsch.
Außerdem sei es wichtig, das Angebot der Staatskapelle für möglichst viele Menschen „niedrigschwellig“ erlebbar zu machen. Intendant Christian Firmbach warnte angesichts des Sparkurses zudem eindringlich davor, die Qualität der Staatskapelle und damit des Theaters ganz allgemein zu gefährden: „Ein Orchester ist ein Organismus, man kann ihn nicht beliebig vergrößern oder verkleinern“. Man dürfe einen gewachsenen Klangkörper in der „oberen Flughöhe“ nicht empfindlich stören: „Das können wir uns nicht leisten“.
Die kommenden Saison steht jedoch auch unter dem Eindruck der Neubau- und Sanierungsarbeiten. Dabei erlebt Georg Fritzsch sogar eine Verbesserung: Denn das „Studio“ sei als neuer Orchesterprobenraum zwar nur eine Interimslösung – doch dieser Ort sei viel eher geeignet als der alte Probenraum. Bei der ersten Begegnung dort mit der Staatskapelle habe er zuerst gedacht: „Da kann nicht wahr sein, der ist doch viel zu klein.“
Seine Abschiedssaison ist zugleich auch die 30. Spielzeit, die Fritzsch verantwortet – und sie beginnt am 27. und 28. September unter anderem mit den „Vier letzten Liedern“ von Richard Strauss. Solistin ist Golda Schultz. Außerdem steht Dvoraks Sinfonie Nr. 9 („Aus der Neuen Welt) auf dem Programm: Fritzsch, der aus Meißen stammt, fühlt sich auch der Musik aus der Nachbarregion Böhmen heimatlich verbunden.
Im zweiten Konzert am 8. und 9. November stellen sich die zwei Solistinnen aus den Reihen der Staatskapelle vor: Masae Kobayashi und Franziska Dürr in Mozarts „Sinfonia concertante“ für Violine, Viola und Orchester. In diesem Konzert ist außerdem Beethoven und Berlioz zu hören, am Pult steht der mittlerweile fast 80jährige Christof Prick – er ist einer von vier Kollegen, die ebenfalls am Staatstheater gewirkt haben und die Georg Fritzsch für seine letzte Spielzeit nochmals eingeladen hat. Auch Kazushi Ono und Justin Brown gehören dazu, außerdem die ehemalige Kapellmeisterin Yura Yang; sie ist inzwischen GDM am Saarländischen Staatstheater.
Raritäten stehen ebenfalls auf dem Programm: Das Konzert für Klavier und Orchester a-moll op. 1 des einstigen Hofkapellmeisters Hermann Levi etwa, es galt lange als verschollen. Derzeit wird auch die hoch interessante amerikanische Komponistin Amy Beach (1867-1944) wieder entdeckt, von ihr steht eine Sinfonie („The Gaelic“) auf dem Programm. Beide Werke sind am 7. und 8. März 2027 zu hören.
Bruckners „Achte“ beschließt die Saison am 11. und 12. Juli; im Sonderkonzert wird das Werk dann nochmals in Verbindung mit zwei Motetten von Mendelssohn aufgeführt – und zwar mit den Chören der Singschule Cantus Juvenum. Dass sich Georg Fritzsch ebenso für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen begeistert, konnte man bereits bei den Konzerten der neu gegründeten „Jungen Kapelle“ erleben. Mendelssohns „Verleih uns Frieden gnädiglich“ wird somit zum endgültigen Schluss-Statement, auch das hat bei Fritzsch Tradition.
Und wie schon beim Reger-Jubiläum 2023 wird die Staatskapelle auch im kommenden Jahr wieder gemeinsam mit den Karlsruher Chören musizieren – bei Beethovens „Neunter“, im Sonderkonzert am 10. April anlässlich des 200. Todestages des Komponisten.