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Staatstheater Karlsruhe zieht Bilanz

| Christine Gehringer | PAMINA kurz notiert

(red.) Das Staatstheater Karlsruhe zieht zum Saisonende Bilanz: Die Spielzeit 2025/26 verzeichnete insgesamt 988 Veranstaltungen; inklusive auswärtiger Gastspiele steigt die Zahl auf über 1000 Veranstaltungen. Rund 250 000 Besucher sahen die Vorstellungen in den verschiedenen Sparten inklusive Rahmenprogramm, davon über 54 000 Schüler und Studierende. HInzu kommen knapp 10 000 Besucher bei auswärtigen Gastspielen. 
Dies ergibt eine Gesamtauslastung von 77 Prozent; insgesamt sei ein leichter Rückgang um rund 5 Prozent gegenüber dem Vorjahr zu verzeichnen, teilte das Haus mit.

Als eine Ursache nennt das Staatstheater die Kapazitätsbeschränkungen in der größten Spielstätte des Theaters: Im Großen Haus wurde seit September 2025 baubedingt die Kapazität auf 903 Plätze beschränkt. Dies habe zu einer Reduktion um rund 10 Prozent der belegbaren Plätze je Vorstellung und den vollständigen Verzicht auf Stehplätze geführt, um weiterhin die Sicherheit des Publikums zu gewährleisten.
195 der insgesamt 988 Veranstaltungen fanden im Großen Haus statt – somit sei dies ein „schmerzlicher Verlust“ angesichts der überaus großen Nachfrage bei Produktionen wie der Uraufführung „Dracula“, den Opernproduktionen „Lohengrin“ und „Rigoletto“, den Händel-Opern und den beliebten Sinfoniekonzerten - oder dem „höchst nachgefragten“ Programm (wie etwa dem Weihnachtssingen) rund um den Jahreswechsel, heißt es in der Mitteilung weiter. Mindestens ebenso einschneidend wirke sich der Verlust des Studios als Spielstätte für Schauspiel und Digitaltheater aus – anstelle von 192 Veranstaltungen in der Vorsaison fanden 11 kleine Konzert-Veranstaltungen statt. 

„Erfreulich ist, dass wir mit dem Studio für die Badische Staatskapelle einen längst notwendigen adäquaten Proberaum geschaffen haben, in dem allerdings nur wenige Kleinformate für Publikum stattfinden können. Die Verlegung von Produktionen an andere Spielorte wie die Insel, das Neue Entrée oder das Electric Eel konnten den Wegfall der Studiobühne aber leider nicht kompensieren“, wird Intendant Intendant Christian Firmbach zitiert.
„In Anbetracht der Gesamtumstände mit knapperen Haushaltsmitteln und dem daraus resultierenden Publikumsverhalten können wir mit den erreichten Ergebnissen insgesamt zufrieden sein“, so der Kaufmännische Intendant Johannes Graf-Hauber. Besonders sei es gelungen, Kooperationen in der Stadt zu verstärken und werthaltige Netzwerke für die Zukunft auszubauen. Zu nennen seien hier unter anderem die Hemingway Lounge und das Young Classic Sound Orchestra in Verbindung mit der Seebühne im Zoologischen Stadtgarten sowie die Partnerinstitutionen im Netzwerk Nachhaltige Kultur Karlsruhe (darunter ZKM, Tollhaus oder Staatliches Museum für Naturkunde).

Betriebsdirektorin Uta-Christine Deppermann bekräftigt die enormen Herausforderungen für den Live-Betrieb, in dem viele Unwägbarkeiten zu disponieren waren: „Einige hitzebedingte Absagen im nicht klimatisierten Spielort Insel und eine kurzfristige Havarie der Brandmeldeanlage, die den Ausfall einer ausverkauften „Dracula“-Vorstellung im Großen Haus und eine Schauspiel-Absage im Kleinen Haus zur Folge hatte, schlagen negativ zu Buche. Ebenfalls war das Staatstheater von Warnstreiks der Gewerkschaft ver.di betroffen."

Von den insgesamt 138 Veranstaltungen der Opernsparte (bei durchschnittlich 77 Prozent Auslastung) mit stabilen 79 000 Gesamtbesuchern habe sich erwartungsgemäß die Händel-Festspieloper „Tamerlano“ als die einnahmenstärkste Produktion erwiesen. Auch die Wiederaufnahme der Händel-Oper „Rinaldo“ brachte beste Einnahmen – wie auch die Neuinszenierung von Wagners „Lohengrin“. Internationales Presseecho habe auch die Wiederentdeckung von Jean-Philippe Rameaus Oper „Les Boréades“ gefunden: Sie setzte die Programmlinie unbekannter französischer Werke fort und bezog auch die Ballettcompagnie szenisch ein. Die Oper verzeichnete insgesamt eine Auslastung von über 91 Prozent.
Die Festspielleitung der 48. Internationalen Händel-Festspiele konnte eine noch positivere Bilanz ziehen als im Vorjahr: Im Festspielzeitraum vom 20. Februar bis zum 8. März 2026 wurden die insgesamt 28 Veranstaltungen von über 15 000 Gästen besucht. Dabei konnten allein die 14 Opernaufführungen und Konzerte im Großen Haus des Staatstheaters eine Auslastung von über 90 Prozent verbuchen.

In der Sparte Ballett habe die aufwändige Neuproduktion „Dracula“ alle Erwartungen übertroffen: Zehn Vorstellungen und eine Soirée vor vollständig ausverkauftem Haus sind die Bilanz für das Gesamtkunstwerk. Die einzige Produktion, die „Dracula“ im Durchschnitt ganz knapp den Rang habe ablaufen können, sei die Wiederaufnahme des Märchenklassikers „Das Mädchen & Der Nussknacker“ in der Neuinterpretation von Bridget Breiner gewesen.
Die Ballett-Sparte habe in 55 Vorstellungen bei einer Auslastung von 82 Prozent insgesamt 37500 Menschen erreicht.


105 Konzertveranstaltungen von opulent besetzter Sinfonie bis zum intimen Kammerkonzert bot das Programm der Badischen Staatskapelle. Insgesamt erreichte die Konzert-Sparte 37 000 Menschen bei einer Auslastung von 77 Prozent. Das Junge Staatstheater hält den Rekord der meisten Veranstaltungen der Spielzeit: In 283 Veranstaltungen konnten Kinder, Jugendliche und Familien ein zeitgemäßes Theater erleben. Insgesamt erreichte das Junge Staatstheater 37 000 Menschen bei einer Auslastung von 80 Prozent.
Zu Veranstaltungen im theaternahen Rahmenprogramm zog es in diesem Jahr knapp 17 000 Menschen; etwa die Hälfte davon hatte das Theaterfest zum Spielzeitstart neugierig gemacht. Zum theaternahen Rahmenprogramm zählen auch verschiedenen Formate der Abteilung Kunst + Vermittlung für junges Publikum: die Lese-Inseln an verschiedenen Orten im Stadtraum, die Sneaks für Junges Publikum, zahlreiche Workshops, Theaterlabore und andere Beteiligungsformate.

Positiv zu erwähnen sei außerdem die weiterhin vorangetriebene Vernetzung mit der Stadt: So wurde etwa „Der Ball“ im Kongresszentrum Karlsruhe, ein großes Ereignis im Festkalender des KIT-Jubiläumsjahrs 2025, durch das Badische Staatsballett und die Badische Staatskapelle feierlich eröffnet. Kooperationen wurden zudem begründet mit dem Filmtheater Schauburg – die neue Reihe „TheaterFilm“ wird sich auch 2026/27 fortsetzen.
Ebenso fortgesetzt wird die Kooperation mit dem Künstlerhaus Edenkoben in der Pfalz, und die Kooperation mit dem Club Stadtmitte, die Theater und After Show-Party in guter Nachbarschaft ermöglicht. Zudem konnte das Badische Staatstheater im zweiten Jahr der neuen Intendanz auch bei auswärtigen Gastspielen künstlerische Auftritte an anderen Orten präsentieren und damit insgesamt knapp 10 000 Menschen erreichen.

Bei den Themen "Barrierefreiheit und Inklusion" habe sich das Badische Staatstheater sukzessive weiterentwickelt, heißt es in der Mitteilung weiter – etwa mit verschiedensprachigen Übertiteln sowie mit der Übersetzung in Deutsche Gebärdensprache und Audiodeskription (Hörbeschreibung). 

Die neue Spielzeit wird am 19. September ab 11 Uhr mit dem traditionellen Theaterfest eröffnet: Dabei bieten die Mitarbeiter des Staatstheaters einen Tag lang für alle Altersklassen ein abwechslungsreiches Programm aus Kunst und Musik mit spannenden Einblicken und Begegnungen.
Der Vorverkauf der gesamten neuen Spielzeit ist bereits gestartet. Tickets können online, telefonisch oder beim Kartenservice vor Ort im K. erworben werden.