Gelungene Premiere: Junges Kollektiv Musiktheater zeigt "Larmes de couteau" von Bohuslav Martinu und "The Medium" von Gian Carlo Menotti
Ein Tipp für Kurzentschlossene: Gestern abend hatten zwei selten gespielte, hörenswerte Kurzopern Premiere: Das Junge Kollektiv Musiktheater zeigt noch bis Samstag, den 5. September „Larmes de couteau“ von Bohuslav Martinu (1890-1959) und „The Medium“ von Gian Carlo Menotti (1911-2007). Beginn ist jeweils 19.30 Uhr (eine ausführliche Besprechung folgt).
Am heutigen Mittwoch, den 2. September, findet die nächste Vorstellung statt – und zwar im Keller der Hotelwelt Kübler in Karlsruhe; der Zugang ist über das „Badisch Brauhaus“ möglich.
Das „Junge Kollektiv Musiktheater“ macht immer wieder durch originelle Regiekonzepte an ungewöhnlichen Spielorten von sich reden, und dazu auch durch Werke, die man sonst kaum auf der Bühne erlebt - wie etwa im vergangenen Jahr die Operette „Polnische Hochzeit“ von Joseph Beer.
Die Opern „Larmes de couteau“ und „The Medium“ gemeinsam auf die Bühne zu bringen, ist eine äußerst sinnige und raffinierte Regie-Idee. Beide Opern stammen aus der erste Hälfte des 20. Jahrhunderts, beide handeln sie von den Mächten der Unterwelt, vom Spiritismus und von Geistern. In der Oper „Larmes de couteau“ verliebt sich das Mädchen Eléonore in einen Gehängten und lässt sich am Ende mit dem Teufel ein; das skurrile Stück ist vom Dadaismus inspiriert. In „The Medium“ geht es um die Séancen der „Madama Flora“ (Baba), die über ihren spiritistischen Sitzungen am Ende selbst wahnsinnig wird.
Die Musik ist ein kaleidoskopartiger Stilmix aus den Klängen des frühen 20. Jahrhunderts: Scharfe Rhythmen, die an Strawinsky erinnern, groteske Harmonien oder Anklänge an die Spätromantik, dazu die Modetänze der Zeit (wie etwa Foxtrott oder Ragtime) ergeben ein rauschhaftes Klangbild, das den Hörer die gesamte Zeit unter Spannung hält. Mit einfachsten Mitteln wird hier zudem eine zwielichtige Atmosphäre geschaffen (Regie: Laura Katharina Hinz und Pia Sandt); die stimmliche und darstellerische Leistung der jungen Sänger (unter anderem Helena Donie als Baba, Hyunjin Lim als Eléonore, Mariia Sytailo als Monica oder Dominik Salber als Satan) ist großartig. Bemerkenswertes leistet auch das Instrumentalensemble unter Fridolin Bosse und Alexander Schirmer.
Eine absolute Empfehlung.
Weitere Vorstellungen: 2., 4. und 5. September, 19.30 Uhr, Informationen unter Reservierung unter jungeskollektivmusitheater.de