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Festspielhaus hofft auf "volle szenische Pracht im Sommer" - mit Opernpicknick im Park

| Christine Gehringer | PAMINA kurz notiert

(red.) Die Faschingszeit ist vorüber, Ostern naht – und dennoch ist man im Festspielhaus Baden-Baden derzeit von den Osterfestspielen am weitesten entfernt; weiter noch als von den Aufführungen, die man sich für Pfingsten und den Sommer erhofft. Das hängt mit der unsicheren Pandemie-Lage zusammen, die Künstler und Kulturveranstalter allmählich frustriert.
Momentan sei man im „engen Austausch“ mit den Berliner Philharmonikern, teilte Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa heute auf einer Online-Pressekonferenz mit. Er erwähnte zudem, dass in anderen Ländern – trotz zum Teil höherer Fallzahlen – die Theater und die Gastronomie teilweise geöffnet seien. Indes wolle Kirill Petrenko, Chefdirigent der Berliner Philharmoniker, nach wie vor an der Oper Mazeppa „festhalten“, aber das sei schwierig ohne Publikum. Was die Planungen angehe, so Stampa, gleiche dies momentan „einem Ritt über den Bodensee“, denn: „Wir müssen bis zum letzten Moment warten“. Eine Entscheidung soll bis Anfang März fallen.
Aus diesem Grund wird es vorerst auch kein komplettes Jahresprogramm geben, vielmehr plant man in kleineren Schritten. Zudem wünscht man sich konkrete Öffnungsperspektiven: Nicht so sehr gehe es darum, wann, sondern „wie“ geöffnet wird. In einem Haus, das normalerweise 2500 Besucher fasst, könne man „nicht vor hundert Leuten spielen“, so Benedikt Stampa. Man habe zudem einen Wirtschaftsplan auf der Grundlage von 500 Besuchern erstellt.
Zuversichtlicher ist man dagegen, was die Festspiele an Pfingsten und im Sommer angeht: Diese erhalten neue Schwerpunkte, zudem wird das Programm bis in den normalerweise spielfreien August hinein verlängert. Zu den Pfingstfestspielen (vom 13. bis zum 24. Mai) planen das Hamburg Ballett und das SWR Symphonieorchester die Aufführung des neuen „Beethoven-Projekt II“ von John Neumeier in Baden-Baden. Der Choreographie liegen eine Violinsonate, Passagen aus dem Oratorium „Christus am Ölberge“ sowie die siebte Sinfonie Ludwig van Beethovens zu Grunde.
Yannick Nézet-Séguin soll Anfang Juli 2021 in Baden-Baden sämtliche Beethoven-Sinfonien dirigieren – zwar nicht mit dem Orchester der Metropolitan Opera, dessen Europa-Tournee abgesagt ist, sondern mit dem Chamber Orchestra of Europe.
Gemeinsam mit dem Mariinsky-Theater möchte man sich außerdem wieder „in voller szenischer Pracht zeigen“, so Stampa. Und nicht nur das: „Wir planen auch, eine der Vorstellungen als kostenlosen Live-Stream in den Kurpark oder in die Lichtentaler Allee zu übertragen, um dort mit möglichst vielen Menschen die Oper in Baden-Baden wieder willkommen zu heißen“. Zwanglos und mit Picknick-Korb soll man Puccini im naturnahen Baden-Baden genießen können; dies ist für Benedikt Stampa ein lange gehegter „Herzenswunsch“. Damit will man das Festspielhaus zugleich noch weiter für die Menschen öffnen, als Termin für das Opernfest ist der 25. Juli geplant.
Auch eine Zusammenarbeit mit den Brahms-Tagen soll es geben; geplant ist ein Konzert mit den Münchner Philharmonikern, dem Pianisten Igor Levit und Dirigent Valery Gergiev. Das weitere Programm für den Herbst 2021 soll im Sommer angekündigt werden; der Vorverkauf für die neuen Programme soll bis auf weiteres immer in einem Zeitfenster von sechs Wochen beginnen. Besucherinnen und Besucher, die bereits Eintrittskarten für Veranstaltungen ab April 2021 gekauft haben, erhalten rechtzeitig Angebote zu Rückerstattung und Vorkaufsrecht.
Bis dahin bleibt man dem Publikum per Live-Stream mit dem heute beginnenden „Hausfestspiel“ verbunden.