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Osterfestspiele Baden-Baden: Mit russischem Programm im Zeichen des Friedens

| Christine Gehringer | PAMINA kurz notiert

„Ich freue mich, aus einem angeregten Probenbetrieb berichten zu können“, ließ Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa gleich zu Beginn der Video-Pressekonferenz wissen. Ostern 2022 – das bedeutet in Baden-Baden die „Renaissance“ der Festspiele nach zweijähriger Pause aufgrund der Corona-Pandemie. Doch in diesem Jahr steht das Festival zusätzlich unter dem Zeichen den Ukraine-Kriegs. Es war der Wunsch von Kirill Petrenko, dem Chef der Berliner Philharmoniker, in Baden-Baden ein russisches Programm zu präsentieren - mit Tschaikowskys Oper „Pique Dame“ im Mittelpunkt. Nun zeigt sich, dass diese Planung in vielerlei Hinsicht vorausschauend gewesen ist. Was in Baden-Baden aufgeführt wird, soll „ein Signal an die Welt“ sein, so Benedikt Stampa, „denn Kultur kann man immer nur global und zwischenmenschlich betrachten“. Gerade der Kurstadt an der Oos kommt hier als einstige „Sommerhauptstadt Europas“ ohnehin eine besondere Rolle zu. Diesen Reichtum künftig ins Bewusstsein zu rufen, ist Stampa zudem ein Anliegen. In diesem Zeichen steht beispielsweise auch das Konzert am 13. April, das ursprünglich mit Anna Netrebko geplant war: Jetzt wird daraus ein Sängerfest mit internationalen Künstlern als ein Zeichen für „Frieden, Völkerverständigung und Humanität“.
Positiv sei auch die Stimmung unter den Mitwirkenden, erzählt Kirill Petrenko. Im Ensemble arbeiten Künstlerinnen und Künstler aus Russland, Armenien oder Frankreich. Allerdings bringt der Krieg nun neue Herausforderungen mit sich. Eine Künstlerin, so berichtet Benedikt Stampa, muss auf einem Umweg nach Baden-Baden anreisen: von Moskau über Taschkent nach Frankfurt.
Indessen herrscht bei Kirill Petrenko, der in Baden-Baden sein Operndebüt gibt, „Vorfreude pur“ über die Tatsache, nun endlich auch szenisch arbeiten zu können. Im vergangenen Herbst war Tschaikowskys „Mazeppa“ in Baden-Baden immerhin konzertant zu erleben; die Oper „Fidelio“ jedoch wurde durch den ersten Corona-Lockdown 2020 jäh ausgebremst. Jedoch macht man sich in Berlin angesichts des Krieges „jeden Tag Gedanken, ob man alltäglich planen, ob man weitermachen kann“, erzählt Andrea Zietzschmann, die Intendantin der Berliner Philharmoniker. Allerdings habe man festgestellt, dass die Konzerte in diesem Tagen „wie eine Insel“ seien – um Gemeinschaft zu haben, um Schönes zu erleben. Darüber hinaus stehen die diesjährigen Osterfestspiele ganz im Zeichen der Hilfe für die Ukraine. „Proaktiv“ wolle man um Spenden werben (für die Ukraine-Nothilfe der UNO-Flüchtlingshilfe); Kirill Petrenko machte bereits den Anfang mit einer privaten Spende von 100 000 Euro als „Initialzündung“.
Der gebürtige Russe kritisierte aber auch, dass viele russische Werke derzeit von den Bühnen verbannt würden, dass Künstlerinnen und Künstler zudem unter einer Art Generalverdacht stünden und beispielsweise von Wettbewerben ausgeschlossen würden. „Wenn wir die Künstler nur aufgrund ihrer Nationalität für Putins Greueltaten verantwortlich machen, dann gleichen wir der anderen Seite“.
Die Regie zur Oper „Pique Dame“ obliegt Moshe Leiser und Patrice Caurier. Wichtig ist den Regisseuren, dass Musik und Theater eine Art „Liebesbeziehung“ eingehen: Was die Darsteller singen, das müsse man sehen können; man müsse die „gebrochene Seele“ eines Menschen zeigen und der Frage nachgehen, wie jemand zum Mörder werden kann. Ein Schwerpunkt des Festivals liegt diesmal auf so genannten „partizipativen“ Veranstaltungen: So gibt es beispielsweise erstmals einen Baden-Badener Salon mit dem Philosophen Peter Sloterdijk und aktuellen Themen. Dafür entfallen jedoch die Kinderoper und die traditionelle Kammeroper mit jungen Künstlern.
Das Programm der Osterfestspiele (vom 9. bis 18. April) gibt es unter www.festspielhaus.de