Ohne Ziele wird es schwierig

Künstler in der Coronakrise (II): Sänger berichten über Motivation, staatliche Hilfen und Online-Unterricht

 

200809 Athos Ensemble

Ab dem 22. März, so der Beschluss des Corona-Gipfels, könnten Theater und Konzerthäuser bei entsprechender Inzidenz wieder öffnen. Eine wirkliche „Öffnungs-Perspektive“ ist das jedoch nicht – denn sollten die Zahlen wieder steigen, was sich angesichts der britischen Corona-Mutante auch abzeichnet, tritt ein erneuter Lockdown in Kraft.
Planbar scheinen Kulturveranstaltungen demnach nur in Verbindung mit einem funktionierenden Schnelltestverfahren. Andererseits ist laut einer neuen Aerosol-Studie aus dem Konzerthaus Dortmund die Ansteckungsgefahr in großen Räumen gering – zumal das Publikum zuletzt mit Maske und im Schachbrettmuster auf den Plätzen saß. Doch die Theater und Konzerthäuser gehörten im milden November-Lockdown zu den ersten, die schließen mussten, was sowohl von Künstlern als auch von Musikliebhabern vielfach als „Symbolpolitik“ empfunden wurde.
Besonders hart getroffen sind beispielsweise frei berufliche Sänger. Sie verdienen ihr Geld unter anderem mit großen Chorkonzerten etwa zur Passion; die Saison entfällt nun bereits zum zweiten Mal. Grund genug also, bei ihnen nachzufragen, wie sie das vergangene Jahr gemeistert haben. Dabei erfährt man: Bei den staatlichen Hilfen fallen Künstler trotz hoher Verluste schlicht durchs Raster...

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Zum Tod von Wolfgang Boettcher

Der Cellist unterrichtete auch an der Carl-Flesch-Akademie in Baden-Baden.

Vergangene Woche starb in Berlin der Cellist Wolfgang Boettcher – unerwartet, wie es in verschiedenen Medien heißt, nachdem er auf der Straße zusammengebrochen war. Boettcher, 1935 in Berlin geboren, gehörte seit 1958 den Philharmonikern an, unter anderem als Solo-Cellist. Ab 1976 wandte er sich dann eigenen Projekten zu: So war er Gründungsmitglied der „12 Cellisten“ und des Brandis-Quartetts. Mit seinen Schwestern, der Mannheimer Pianistin Ursula Trede-Boettcher und der Geigerin Marianne Boettcher, spielte er Kammermusik, noch bis vor kurzem.
Vor allem aber war er ein geschätzter Dozent – auch an der sommerlichen „Carl Flesch Akademie“ in Baden-Baden. Etwas von der Leidenschaft und Wachheit, die Boettcher als Musiker und offenbar auch als Pädagoge an den Tag legte, zeigt der folgende Beitrag aus dem PAMINA-Archiv, der die Eindrücke der Akademie aus dem Sommer 2008 einfängt (mit Audio-Beitrag) .

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In schwierigen Zeiten am Segen festhalten

Bach-Tagung der Evangelischen Akademie Baden bot tiefe Einblicke in die Kantate "Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn"

 

210210 Bach

Regelmäßig widmet sich die Evangelische Akademie Baden in einem speziellen Tagungswochenende in Bad Herrenalb dem Werk Johann Sebastian Bachs: Im Mittelpunkt steht dann jeweils eine der fast 200 Kantaten des barocken Meisters. Abgeschlossen wird das Wochenende mit einem Kantaten-Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche Karlsruhe; die Tagungs-Teilnehmer bilden den Chor.
Das war in diesem Jahr nicht möglich, und dennoch: Das Seminar fand statt, die Vorträge konnte man online verfolgen, und Wahl der Kantate - „Ich lasse dich nicht, du segnest mich denn“ - ermöglichte eine würdige und zugleich „coronagerechte“ Aufführung. Ergänzt wurde das Wochenende durch eine Orgelandacht: Das Jahr 2021 steht ganz im Zeichen dieses Instruments.

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"Kultur muss als Teil der Bildung gesehen werden"

Künstler in der Corona-Krise (I): Der Flötist Johannes Hustedt

 

Johannes Hustedt

Im vergangenen Sommer erlebte die Karlsruher Kulturszene ein kurzzeitiges Aufblühen – man versuchte, wenigstens teilweise Ersatz zu schaffen für die Konzerte, die durch den Lockdown im Frühjahr entfallen waren. Viele kleine, teils originelle Formate entstanden; das Land Baden-Württemberg unterstützte einige Projekte mit der Initiative „Kultursommer 2020“ und insgesamt 2,5 Millionen Euro aus dem Innovationsfonds.
Ausgewählt wurden auch die Durlacher „Picknick-Konzerte“, die der Flötist Johannes Hustedt gemeinsam mit seiner Frau Chai Min Werner ins Leben gerufen hatte. Nun blickt er auf die Konzertreihe und deren Wirkung zurück, ebenso äußert er sich zum Corona-Lockdown, zum neuen Infektionsschutzgesetz und zur Notwendigkeit für Musiker, sich auch mit wirtschaftlichen Themen zu befassen.

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Aufbruch in eine digitale Zukunft

Neue Bild- und Tontechnik für das Festspielhaus/ Stadt Baden-Baden investierte 1,1 Millionen Euro

 

201030 AV Anlage FSH

Es gibt auch noch positive Signale aus der Kultur - trotz des bevorstehenden Lockdown. „Das war eine Punktlandung“, konstatierte Baden-Badens Oberbürgermeisterin Margret Mergen – und meinte damit nicht nur das Brahms-Wochenende mit Thomas Hengelbrock, das im Festspielhaus gerade noch über die Bühne gehen kann.
Die lange spielfreie Zeit nach der ersten Schließung war vor allem für eine umfassende Investition genutzt worden: in eine moderne Audio- und Videoanlage, die den heutigen Ansprüchen (gerade auch im digitalen Bereich) genügt. Mit der Übertragung der morgigen Konzerte (per Live-Stream im Internet bei Arte Concert, 16 Uhr und 20 Uhr) kommt sie erstmals zum Einsatz.

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Beethoven und der Humor

Zum kürzlichen Vortrag mit Hartmut Becker und Joachim Draheim im Kaffeehaus Schmidt

 

170121 Kultur Im Cafe

Wer an Beethoven denke, der sehe meist nur „den tauben Titan, der ständig dem Schicksal in den Rachen greift“, bemerkte der Karlsruher Musikwissenschaftler Joachim Draheim im Rahmen eines Vortrags im Kaffeehaus Schmidt. Diese derzeitigen Vorträge über Ludwig van Beethoven zählen zu einer Serie, die sich unter dem Titel „Kultur im Café – Musikgeschichte(n)“ vornehmlich den Jubilaren eines jeweiligen Musikjahres, aber auch der Karlsruher Musikgeschichte widmet. Dabei wird grundsätzlich auch der eine oder andere Mythos entlarvt.
Joachim Draheim und sein Kollege Hartmut Becker rückten jetzt eine ungewohnte Seite des Komponisten ins Blickfeld, nämlich den „heiteren Beethoven: Beethoven und das Volkslied". Dabei zeigte sich, dass man beispielsweise auch die Sinfonie Nr. 8 ein wenig anders hören muss, als man das vermutlich gewohnt ist.

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Musik als "Hauptperson" des Dramas

Die Beziehung "Beethoven und Goethe" erläuterten Hartmut Becker und Joachim Draheim im Kaffeehaus Schmidt

170422 Kultur Im Cafe

Die Beziehung „Beethoven und das Theater“ spielt in der allgemeinen Wahrnehmung eher eine untergeordnete Rolle; allenfalls hört man zu Beginn eines Konzerts gelegentlich die Ouvertüre zu „Coriolan“ oder zu „Egmont“. Doch gerade die Verbindung zwischen Goethes Drama und der Musik Beethovens ist einer näheren Betrachtung wert – und so widmet sich am Sonntag, den 11. Oktober das Karlsruher Barockorchester der Schauspielmusik zu „Egmont“. Die Aufführungen im Konzerthaus Karlsruhe beginnen um 11 Uhr und um 18 Uhr.
Die Karlsruher Musikwissenschaftler Hartmut Becker und Joachim Draheim beleuchteten das Verhältnis „Beethoven und Goethe – Beethoven und das Theater“ vor kurzem in einem Vortrag im Kaffeehaus Schmidt.

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Die Lust am Experimentieren

Der Geiger Cosimo Stawiarski gab Einblicke in Leben und Werk des Durlacher Hofkapellmeisters Georg Christoph Strattner

 

200925 Durlach Ansicht

Kaum bekannt sind die Werke des Durlacher Hofkapellmeisters und Kirchenmusikers Georg Christoph Strattner (1644/45 – 1704), dabei ist sein Musikstil originell und weist über die damals übliche Form des geistlichen Konzerts weit hinaus. Strattner arbeitet mit Kontrasten und harmonischen Spannungen, und er versteht es meisterhaft, den Sinngehalt der Texte in Musik zu übersetzen.
Eine Auswahl an geistlichen Werken ist am kommenden Sonntag in der Stadtkirche Durlach zu hören. In Durlach entstanden auch seine frühesten noch erhaltenen Stücke.
Es musiziert das Gamben-Consort „Les Escapades“, das sich hierzu im Rahmen einer CD-Produktion renommierte Gäste eingeladen hat. Der Geiger und Musikwissenschaftler Cosimo Stawiarski, unter dessen Federführung das Programm entstanden ist, gab nun in der Badischen Landesbibliothek einen Einblick Strattners Leben und Werk.

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"Die Ohren zu spitzen ist ein beglückendes Erlebnis"

Klavierwettbewerb Ettlingen: Das Online-Finale war vor allem in menschlicher und pädagogischer Hinsicht ein Gewinn

 

200813 Ettlingen Asamsaal Ode

Mit der heutigen Preisträgerveranstaltung vor dem Kino Kulisse (auch ab 20.30 Uhr unter www.pianocompetition.org) geht das "Ettlinger Online-Finale" zu Ende, das offensichtlich mehr war als nur ein virtueller Ersatz für den sonstigen Internationalen Klavierwettbewerb (wobei man die live gespielte Musik ohnehin nicht ersetzen kann). Ganz neue Erfahrungen – gerade auch in künstlerischer Hinsicht – haben die jungen Teilnehmer dabei gemacht.
Frank Reich, der organisatorische Leiter des Ettlinger Klavierwettbewerbs, zieht Bilanz.

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"Uns bleibt nichts anderes übrig als zu warten"

Bruchsaler Schlosskonzerte vorerst ausgesetzt/ "Weingartner Musiktage" auf 2021 verschoben

 

191108 Phaeton Trio

Dass derzeit wieder Konzerte zumindest in kleiner Besetzung und mit Sicherheitsabstand veranstaltet werden, machte zuletzt Hoffnung – zwar nicht auf eine normale Saison, aber doch auf ein gewisses Kulturleben in der Region.
Doch die Corona-Pandemie sorgt nach wie vor auch im Bereich der Kammerkonzerte für herbe Einschnitte: Vor kurzem wurde bekannt, dass die renommierte Reihe der Bruchsaler Schlosskonzerte vorerst nicht in die neue Saison starten kann.
Auch das Leitungsteam der „Weingartner Musiktage junger Künstler“, entschloss sich dazu, unter den derzeitigen Bedingungen auf das Festival im Oktober zu verzichten – es wäre das 40jährige Jubiläum gewesen.

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