Kritik
Nicht ohne Händel: Stadtkirche und Händel-Gesellschaft retten ein kleines Stück ins Pandemie-Jahr
| Christine Gehringer | Kritik
Gottesdienst mit Händel-Arien/ abends: Auftakt der musikalischen "Passionswege"

Lena Spohn (Mezzosopran), dazu ein Instrumentalensemble (Leitung: Christian-Markus Raiser) gestalteten den Gottesdienst mit Musik von Georg Friedrich Händel in der Evangelischen Stadtkirche in Karlsruhe. (Foto: Screenshot/ Video Stadtkirche Karlsruhe, Youtube)
Unter normalen Umständen hätten Händel-Freunde in dieser Woche die Opern „Hercules“ und „Tolomeo“ in Karlsruhe genießen können. Seit einigen Jahren ist zudem ein ökumenischer Gottesdienst Bestandteil der Festspiele; er geht auf die Initiative der Karlsruher Händel-Gesellschaft zurück. Wenigstens diesen wollte man retten – zumal nun auch das kleine „Ersatz“-Festival, das ursprünglich für das vergangenen Wochenende geplant war, der Pandemie zum Opfer fiel.
Der Gottesdienst in der Evangelischen Stadtkirche trug das Motto „Der holden Liebe Sonnenstrahl“ und ist nach wie vor auf Youtube zu sehen. Solistin ist die junge Mezzosopranistin Lena Spohn, eine Teilnehmerin der Internationalen Händel-Akademie der beiden vergangenen Jahre.
Außerdem startete am Wochenende die Reihe „Passionswege“: Zum Auftakt der musikalischen Andachten war der junge Organist Leon Tscholl zu hören, am kommenden Sonntag musizieren der Flötist Johannes Hustedt und die Harfenistin Karin Schnur in der Stadtkirche.
Keine Kommentare vorhandenIn Szene gesetzt
| Christine Gehringer | Kritik
Digitales Hausfestspiel Baden-Baden: Zweiter und dritter Abend mit dem vision string quartet und der Sopranistin Olga Peretyatko

Aus den begrenzten Möglichkeiten das Beste gemacht: Der Liederabend mit Olga Peretyatko und Matthias Samuil in Baden-Baden war auch online ein Erlebnis. (Foto: Andrea Kremper/ Festspielhaus)
Welche Musik hören die Menschen, wenn sie es sich auf dem heimischen Sofa bequem machen? Und: Gehen bei einem Online-Liederabend nicht auf dem Übertragungswege viele Nuancen und Klangfarben verloren?
Über solche Fragen machen sich in der letzten Zeit wohl viele Künstler Gedanken – so auch das vision string quartet und die Sopranistin Olga Peretyatko, die den zweiten Teil des kleinen Hausfestspiels in Baden-Baden bestritten. „In der Spitze hatten wir 2000 Zuschauer“, bilanzierte Mediendirektor Rüdiger Beermann die Resonanz auf die jeweiligen Abende, und auch aus dem Ausland (beispielsweise aus den Niederlanden, sogar aus Vermont) sahen die Menschen zu.
Unter normalen Umständen hätten solche Zuschauerzahlen ein ausgesprochen gut besuchtes Haus bedeutet, für einen Kammermusik-Abend sind sie in jedem Fall außergewöhnlich hoch. Insofern könnten Digital-Formate auch künftig ihren Platz im Konzertgeschehen einnehmen - wenn es darum geht, eine bestimmte Reichweite zu erzielen. Jedenfalls sei man jetzt "ganz schön angestachelt", heißt es seitens des Festspielhauses.
Im Künstlergespräch auf Tuchfühlung mit dem Publikum
| Christine Gehringer | Kritik
Digitales "Hausfestspiel" in Baden-Baden: Christian Tetzlaff und Julian Prégardien bringen ein Stück Konzert-Atmosphäre ins Wohnzimmer

Der Tenor Julian Prégardien und der Pianist Eric Le Sage musizierten beim digitalen "Hausfestspiel" in Baden-Baden. (Foto: Festspielhaus/ Andrea Kremper)
An diese Form der Konzertberichterstattung wird man sich vielleicht gewöhnen müssen. Wie derzeit an vielen Orten, so setzt man auch im Festspielhaus Baden-Baden ein Zeichen der Solidarität mit den vom Lockdown gebeutelten Künstlern und verschafft ihnen per Live-Stream nicht nur Verdienstmöglichkeiten, sondern auch die Gelegenheit, mit dem Publikum in Kontakt zu bleiben – auch wenn dieses unsichtbar ist. Was es künstlerisch bedeutet, das Konzerterlebnis neuerdings in die digitale Welt zu verlagern – darüber kann man trefflich diskutieren. Allerdings ist es mehr als gerechtfertigt, an einem Ort wie Baden-Baden zumindest auf diese Weise den Spielbetrieb wieder aufzunehmen, wurde doch das Haus im vergangenen Jahr von seinen privaten Förderern mit rund sechs Millionen Euro unterstützt. Zudem hatte man erst vor kurzem in eine neue Technik-Anlage investiert.
Mit dem „Hausfestspiel“, das morgen mit einem Liederabend von Olga Peretyatko endet, hat man wahrscheinlich das Bestmögliche aus der Situation herausgeholt. Das Besondere: Es gab nicht nur Streaming-Konzerte, sondern man nutzte die digitalen Möglichkeiten gezielt, um mit dem Publikum ins Gespräch zu kommen. Daraus könnten sich neue Formate ergeben.