Kritik
Begegnungen mit dem "Odenwälder Mozart"
| Christine Gehringer | Kritik
Konzert mit Werken von Joseph Martin Kraus an der Musikhochschule Karlsruhe

Musik vom "Mozart aus dem Odenwald", dem Komponisten Joseph Martin Kraus, gab es vor kurzem an der Musikhoschule Karlsruhe. (Foto: Gehringer)
Joseph Martin Kraus, man nennt ihn auch den „Odenwälder Mozart“, hat ziemlich genau dieselben Lebensdaten wie der „Richtige“. 1756 wurde er in Miltenberg geboren, 1792 starb er an Schwindsucht in seiner Wahlheimat Schweden - auf dem Höhepunkt seiner Karriere.
Dazwischen liegt ein bewegtes Künstlerleben, und dabei ist der Vergleich mit dem großen Zeitgenossen durchaus angebracht: Denn Joseph Martin Kraus hinterließ nicht nur eine Fülle von Werken in beinahe allen Gattungen (darunter Kirchenmusik, Opern, Sinfonien, Kammermusik und Lieder), sondern er legte dabei auch einen genialen Geist und viel Originalität an den Tag; er gilt gar als Wegbereiter für das romantische Kunstlied im Schubert‘ schen Sinne.
Seit einigen Jahrzehnten wird seine Musik in zahlreichen Veröffentlichungen und auch in Konzerten zunehmend erschlossen. Einblicke gab es vor kurzem in einem Konzert an der Musikhochschule Karlsruhe.
Keine Kommentare vorhandenDie Kunst des spontanen Zwiegesprächs
| Christine Gehringer | Kritik
Die Brüder Lionel und Demian Martin begeisterten beim Ettlinger Schlosskonzert unter anderem mit ihren Improvisationen

(Foto: Ettlinger Schlosskonzerte/ Sabine Stumpp)
Die Improvisation ist eine hohe Kunst, und wer sie beherrscht, der gilt nicht von ungefähr als „wahrer Musiker“. Dass Interpreten allerdings auf Zuruf improvisieren können, erlebt man eher selten – in erster Linie kennt man das von der venezolanischen Pianistin Gabriela Montero – und umso beeindruckender wird es, wenn sich das Ganze dann noch im Ensemble vollzieht.
Die Brüder Demian und und Lionel Martin, die vor kurzem bei den Ettlinger Schlossfestspielen zu Gast waren, hatten schon den Nachmittag (und Abend) über mit ihrem perfekten, vertrauten Zusammenspiel begeistert. Diese besonderen Zugabenstücke, vom Publikum lautstark gefeiert, krönten einen außergewöhnlichen Vortrag.
Nachhören kann man das Konzert im SWR2-Abendkonzert am 21.02 um 20.05 Uhr.
Romantischer Stimmungszauber
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Das „Else Ensemble“ bot beim Ettlinger Schlosskonzert selten gehörte Werke von Zdenek Fibich und Robert Kahn

(Foto: PR/ Peter C. Theis)
Ein Quintett aus Klavier, drei Streichern und Klarinette – das verspricht eine interessante Klangmischung, und eben dieses Versprechen wurde eingelöst vom deutsch-israelischen „Else Ensemble“ beim jüngsten Ettlinger Schlosskonzert. Auf dem Programm standen zudem Raritäten, die es zu entdecken lohnte: Den böhmischen Komponisten Zdenek Fibich und den so gut wie unbekannten Robert Kahn, der aus Mannheim stammte und unter anderem von Johannes Brahms gefördert wurde.
Hinweis: Das Konzert wurde aufgezeichnet und ist am 15. Februar 2022 im SWR2 Mittagskonzert ab 13 Uhr zu hören.
Die Schönheit des Renaissance-Gesangs
| Christine Gehringer | Kritik
Außergewöhliches Adventskonzert: Schola Heidelberg gastierte in der Stadtkirche Durlach

Das achtköpfige Vokalensemble "Schola Heidelberg", dazu Instrumentalsolisten, musizierte unter der Leitung von Ekkehard Windrich in der Stadtkirche Durlach. (Foto: Gehringer)
Die Musik der so genannten „franko-flämischen Schule“ - gemeint ist das Ideal, das etwa zwischen 1400 und 1500 die verschiedensten Gattungen in Europa prägte – diese Art der „Alten Musik“ ist generell wenig präsent in den Kirchen. Das Repertoire der meisten Chöre und Ensembles reicht zurück bis zum Frühbarock, etwa bis Giovanni Pierluigi da Palestrina, doch für die Renaissance oder gar das Spätmittelalter bedarf es dann doch einer speziellen Auseinandersetzung.
Gelegentlich widmen sich engagierte Vokalsolisten den Messen aus jener Zeit, wie etwa das Athos Ensemble der "Missa L'homme armé" von Johannes Ockeghem im letzten Jahr in der Durlacher Stadtkirche.
Nun war an gleicher Stelle die renommierte Schola Heidelberg zu Gast: mit einem Programm, das sich schwerpunktmäßig mit den Werken von Guillaume Dufay (1397-1474) und Josquin Desprez (1440-1521) befasste, und man erfährt: Die fließenden Stimmen, die Umspielungen und Imitationen haben einen gewaltigen Sog. Sie ziehen den Hörer mitten hinein in eine Atmosphäre der Stille und der vorweihnachtlichen Betrachtung.
Man fühlt sich bestens unterhalten
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Musikhochschule Karlsruhe zeigt Humperndincks "Hänsel und Gretel"

Humperdincks "Hänsel und Gretel" in einer Inszenierung von Andrea Raabe an der Musikhochschule Karlsruhe. (Foto: Tom Kohler)
Weihnachtszeit ohne „Hänsel und Gretel“? Das ist beinahe unvorstellbar, und so hat nun auch die Musikhochschule Karlsruhe Humperdincks populäre Märchenoper aufs Programm gesetzt – zumal sich in diesem Jahr auch sein Todestag zum einhundertsten Mal jährt. Da man von Humperdinck aber eigentlich nur „Hänsel und Gretel“ kennt, geht er neben anderen Jubilaren wie beispielsweise Camille Saint-Saens ein wenig unter.
Seit den Neunziger Jahren tendieren Regisseure dazu, nicht mehr nur das Märchen zu erzählen, sondern die Figuren auch auf ihre psychologische Dimension hin auszudeuten. Auch die Inszenierung von Andrea Raabe arbeitet mit aktuellen Bezügen und einer Rahmenhandlung. Das Wichtigste ist jedoch: Man hört hier jede Menge schöner Nachwuchs-Stimmen.
Am Mittwoch, den 22. Dezember ist ab 19.30 Uhr im Wolfgang-Rihm-Forum noch eine Vorstellung zu erleben.
Endlich wieder Operette!
| Christine Gehringer | Kritik
Emmerich Kálmáns "Gräfin Mariza" mit Tempo und Opulenz am Staatstheater Karlsruhe

Kálmáns Operettenklassiker "Gräfin Mariza" in der Inszenierung von Alexandra Frankmann am Staatstheater Karlsruhe. (Foto: Felix Grünschloß)
In diesen Zeiten genau das Richtige: Operettenvergnügen zum Schwelgen, zum Amüsieren, aber auch zur kritischen Auseinandersetzung mit manchen Klischees - dies jedoch ganz ohne Belehrung. Hier steht die reine Freude im Vordergrund.
Eine echte Empfehlung ist Emmerich Kálmáns Operettenklassiker "Gräfin Mariza", derzeit am Staatstheater Karlsruhe zu sehen.
Der Reiz der Klangfarben
| Christine Gehringer | Kritik
Zum kürzlichen Klavierabend mit Werken französischer Komponisten an der Musikhochschule Karlsruhe

Die Pianistinnen Franziska Lee und Gryta Tatoryte beim Klavierabend im Velte-Saal an der Musikhochschule Karlsruhe. (Foto: Gehringer)
Die Pianistinnen Franziska Lee und Gryta Tatoryte unterrichten beide an der Karlsruher Musikhochschule und hatten sich, so erzählen sie, schon seit längerem gewünscht, einen gemeinsamen Klavierabend zu gestalten. Doch vierhändig zu spielen, sagt Gryta Tatoryte, das sei in Corona-Zeiten nicht unbedingt angebracht. So einigte man sich auf ein Rezital mit zwei Klavieren, und recht bald kam man dabei auf französisches Repertoire: „La Valse“ von Maurice Ravel zum Beispiel oder „Trois valses romantiques“ von Emmanuel Chabrier.
Das lag auch insofern nahe, als Franziska Lee vor einigen Jahren eine CD mit französischer Musik („L‘ heure exquise“) herausgebracht hat. Beim Gestalten des Programms hatten die Künstlerinnen den Komponisten Chabrier wiederum rasch als eine „Quelle“ ausgemacht, der beispielsweise Ravel oder auch Francis Poulenc beeinflusste.
Herausgekommen ist ein interessanter Abend (unter anderem mit dem selten gespielten Henri Dutilleux), der seinem Titel „Eleganz und Raffinesse“ voll und ganz gerecht wurde.
Oratorium mit "Groove"
| Christine Gehringer | Kritik
"Coronatorium" an der Lutherkirche Karlsruhe verband Bach mit Jazz

Weihnachtsoratorium und Jazz: Die Chöre der Lutherkirche mit Dirigentin Dorothea Lehmann-Horsch, dazu Solisten und ein achtköpfiges Instrumentalensemble beim "Coronatorium" in der Lutherkirche Karlsruhe. (Foto: Gehringer)
Dass Jazz und Barockmusik einiges gemeinsam haben, ist bekannt: Da wäre zum Beispiel der „Walking Bass“ als ein Pendant zum Generalbass, außerdem die Verzierungen, die Improvisation, nicht zuletzt der stetige Puls, der Bachs Musik ebenso wie den Jazz vorantreibt: Zu einem „groovenden“ Bach ist es deshalb nur ein kleiner Schritt, wie man nun explizit in der Lutherkirche hören konnte. Dort nämlich machte man sich diese Gemeinsamkeiten zu Nutze, und herausgekommen ist ein originelles Projekt, das Bachs „Weihnachtsoratorium“ mit Jazz-Arrangements verband.