Kritik
Liederabend als Beziehungskomödie
| Christine Gehringer | Kritik
Festspielhaus Baden-Baden: Diana Damrau, Jonas Kaufmann und Helmut Deutsch mit dem "Italienischen Liederbuch" von Hugo Wolf
Diana Damrau und Jonas Kaufmann, dazu der Pianist Helmut Deutsch mit Hugo Wolfs "Italienischem Liederbuch" im Festspielhaus Baden-Baden. (Foto: manolo press/ Michael Bode)
Das „Italienische Liederbuch“ von Hugo Wolf: Das ist ein sehr spezielles Konzertprogramm, und es ist bedauerlich, dass es kaum auf den Spielplänen steht. Normalerweise richtet sich ein solches Programm daher auch an ein spezielles, eher überschaubares Publikum – nicht jedoch im Festspielhaus Baden-Baden, wo solche „Zugpferde“ wie Diana Damrau und Jonas Kaufmann jetzt für ein volles Haus sorgten. Doch nicht nur das: Mit einem kleinen Kunstgriff, einer raffinierten Dramaturgie wurde aus der Liedersammlung kurzerhand ein unterhaltsames Bühnenereignis, das man auch unter das Motto „Szenen einer Ehe“ hätte stellen können ...
Whisky, Dudelsack - und ein altes Schloss
| Christine Gehringer | Kritik
Schottischer Abend: Sophia Jaffé, Garry Walker und die Rheinische Philharmonie zu Gast im Konzerthaus Karlsruhe
Einen schottischen Abend gab es bei den Karlsruher Meisterkonzrten im Konzerthaus Karlsruhe. Zu Gast waren die Geigerin Sophia Jaffé und die Rheinische Philharmonie. (Foto: Gehringer)
Schottland? Da denkt man an rauhe Landschaften und an Ruinen im Nebel, natürlich auch an den Schottenrock, und musikalisch denkt man da vor allem an Mendelssohns „Schottische“, nämlich die Sinfonie a-moll op. 56. Dass aber das Thema „Schottland“ tatsächlich ein umfangreiches und höchst interessantes Konzertprogramm hergibt – das zeigten zuletzt die „Karlsruher Meisterkonzerte“ im Konzerthaus Karlsruhe. Einer jener seltenen Abende, bei denen der übergeordnete Titel wirklich durchgängig passte.
"Nirgends ist Schubert so lebendig wie in Ettlingen ..."
| Christine Gehringer | Kritik
25 Jahre Ettlinger Schubertiade im Asamsaal: Begeisternder Liederabend mit Thomas Seyboldt und Hans Christoph Begemann
Seit 25 Jahren sozusagen im Dienst für Franz Schubert: Das Liedduo Thomas Seyboldt und Hans Christoph Begemann; die "Kernbesetzung" der Ettlinger Schubertiade. (Foto: Gehringer)
Wenn ein in Wien lebender Musikliebhaber sagt, man müsse weit gehen, bis man in diesem Zentrum der europäischen Musikgeschichte etwas Vergleichbares finde wie die „Ettlinger Schubertiade“ - dann sagt das eigentlich schon alles. Diese Feststellung machte Hartmut Jonitz, der Vorsitzende des Freundeskreises, der einst auf die Konzertreihe aufmerksam wurde, als er den Bariton Hans Christoph Begemann auf der Bühne erlebte.
Seit 25 Jahren setzt sich das Liedduo Thomas Seyboldt und Hans Christoph Begemann nun schon für das Werk Franz Schuberts ein, doch eigentlich ist diese Einrichtung mehr als nur eine Konzertreihe. Mit einem begeisterten Liederabend feierten Freunde und Förderer jetzt im Asamsaal Jubiläum.
Packende Musik, zähe Regie
| Christine Gehringer | Kritik
Derzeit am Staatstheater Karlsruhe: Verdis "Simon Boccanegra"
Wie in Da Vincis "Abendmahl": Szene aus Verdis "Simone Boccanegra" am Staatstheater Karlsruhe. (Foto: Falk von Traubenberg)
Verdis Oper „Simon Boccanegra“ gehört zu den Raritäten auf den Spielplänen – was wahrscheinlich auch daran liegt, dass sich Regisseure an dieser verzwickten Geschichte öfter die Zähne ausbeißen. Derzeit ist das Stück am Badischen Staatstheater zu sehen: in einer Inszenierung, die Regisseur David Hermann bereits im vergangenen Jahr in Antwerpen auf die Bühne brachte – jedoch mit einem eher durchwachsenen Eindruck.
"Vor seinem hohen B schmilzt meine Kraft dahin"
| Christine Gehringer | Kritik
Originelle Inszenierung, großartiges Ensemble: Musikhochschule Karlsruhe begeistert mit der "Fledermaus" von Johann Strauß
Eine originelle Sicht auf die "Fledermaus" von Johann Strauß gab es jetzt in einer Produktion des Instituts für Musiktheater an der Musikhochschule Karlsruhe. (Foto: Pedro N. Baptista)
Man braucht keine Untoten und keinen Sigmund Freud auf der Bühne (wie etwa vor vier Jahren in einer merkwürdigen Produktion am Staatstheater Karlsruhe), um die „Fledermaus“ von Johann Strauß aus ihrer beschwipsten Walzerseligkeit herauszuholen. Denn eigentlich ist die Operette ja viel mehr; sie ist Gesellschaftskritik: Wie der Historismus an den Prachtbauten der Wiener Ringstraße war auch manches andere in der Zeit des „Fin de Siècle“ in erster Linie nur Fassade, denn irgendwie hat jeder eine Leiche im Keller, und nur durch die bürgerliche Konvention wird das verdeckt. Doch ein Maskenball entlarvt alles, und hieraus schlägt die Regie um Andrea Raabe ihr Kapital: Die Handlung wird durch Überblendungen aufgebrochen, der Fokus dadurch verschoben.
Solche originellen Produktionen erlebt man am Institut für Musiktheater immer wieder – und deshalb eine klare Empfehlung: Hingehen lohnt sich!
Zauberhafte Klänge
| Christine Gehringer | Kritik
Das "Armida Quartett" zu Gast bei den Ettlinger Schlosskonzerten
Das fabelhafte Armida Quartett war zu Gast bei den Ettlinger Schlosskonzerten. (Foto: Felix Broede/PR)
Wie klingt Heimat?“ Eine solche Frage lässt Raum für viele Interpretationen, und dementsprechend auch für ein vielfältiges Konzertprogramm. Am ehesten verbindet man damit wohl die heimatliche Folklore, wie sie zum Beispiel Sergej Prokofiew in seinem Streichquartett Nr. 2 „über kabardinische Themen“ verwendet. In dieser Gegend im Kaukasus verbringt der Komponist den Sommer und den Herbst des Jahres 1941. Oder Smetanas e-moll-Quartett „Aus meinem Leben“, das autobiografische Züge trägt. Beethoven hingegen setzt sich in seinen Rasumowsky-Quartetten mit der Heimat des Widmungsträgers (dem russischen Botschafter Andrej Rasumowsky) auseinander.
Und das Armida Quartett wiederum - benannt nach einer Zauberin, die im 18. und 19. Jahrhundert reichlich Opernstoff gab – dieses Quartett begeisterte das Ettlinger Publikum mit packender Dramatik.
Grobschlächtiger Klamauk
| Christine Gehringer | Kritik
Nur musikalisch überzeugend: Oscar Straus' Operette "Die Lustigen Nibelungen" am Staatstheater Karlsruhe
Szene aus Oscar Straus' Operette "Die Lustigen Nibelungen" am Staatstheater Karlsruhe. (Foto: Falk von Traubenberg)
Eine weitere Neben-Episode im Rahmen des Karlsruher "Ring" – das ist, nach Avner Dormans „Wahnfried“, jetzt die Operette „Die Lustigen Nibelungen“ von Oscar Straus. Dieses burleske Stück parodiert das Nibelungenlied, und es passt außerdem zum Ansinnen der Intendanz am Staatstheater Karlsruhe, die Sparte „Operette“ stärker in den Fokus zu rücken. Insofern hätte die Produktion ein Erfolg werden können, zumal die musikalische Interpretation absolut überzeugend ist. Doch leider greift Regisseur Johannes Pölzgutter etwas daneben.
Ein Instrument der "zweiten Reihe" setzt sich in Szene
| Christine Gehringer | Kritik
Das Duo Michael Buchanan und Kasia Wieczorek gastierte im Ettlinger Schloss.
Der Posaunist Michael Buchanan, im Jahr 2015 erster Preisträger beim ARD-Wettbewerb, gastierte im Ettlinger Schloss. (Foto: PR/ John Cooper)
Die Posaune führt als Soloinstrument eher ein Schattendasein. Sie hat kein Virtuosenstück wie etwa ihre Kollegin, die Trompete, in Johann Nepomuk Hummels berühmtem E-Dur-Konzert. Sie darf nicht brillieren wie das Horn bei Mozart oder Strauss. Und doch: Es gibt sie, die Werke, die dieses Instrument angemessen in Szene setzen; allerdings findet man sie ausschließlich im 20. Jahrhundert. Will man also ein Konzertprogramm für Posaune zusammenstellen, das mehrere Epochen umfasst – dann muss man zwangsläufig auf Bearbeitungen zurückgreifen.Der junge Brite Michael Buchanan, vor zwei Jahren erster Preisträger beim ARD-Wettbewerb, und dazu seine Duo-Partnerin, die Pianistin Kasia Wieczorek – diese beiden rückten beim Ettlinger Schlosskonzert die Qualitäten der Posaune jedenfalls ins rechte Licht.