Kritik
Musikalischer Streifzug durch ein schillerndes Leben
| Christine Gehringer | Kritik
Europäische Kulturtage: Die Pianistin Heike Bleckmann mit einem Porträt über Pauline Viardot-Garcia

Larssa Wäspy, Denise Seyhan und Pianistin Heike Bleckmann mit einem Livestream-Konzert zu Pauline Viardot-Garcia im Rahmen der Europäischen Kulturtage. (Foto: EKT TV/ Screenshot)
Baden-Baden galt einst als „Sommerhauptstadt Europas“ - und die Sängerin und Komponistin Pauline Viardot, deren Wirken eng mit dieser Stadt verbunden ist, war eine große Europäerin. Die gebürtige Spanierin und Schwester der legendären, jung verstorbenen Sängerin Maria Malibran war mit dem Franzosen Louis Viardot verheiratet und unterhielt zuerst in Paris, danach in Baden-Baden einen Salon, in dem bedeutende Künstler ein- und ausgingen.
Am 18. Juli feiert die Musikwelt ihren 200. Geburtstag. Doch schon jetzt - im Rahmen der Europäischen Kulturtage - widmete sich die Karlsruher Pianistin Heike Bleckmann gemeinsam mit den Sängerinnen Larissa Wäspy und Denise Seyhan, dazu der Bratschistin Franziska Dürr dem Leben dieser außergewöhnlichen Künstlerin.
Keine Kommentare vorhandenVon Leidenschaft und Liebeswerben
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Europäische Kulturtage Karlsruhe: Barocke Lautenlieder und Instrumentalmusik mit dem Ensemble "Les Escapades"

Das Gambenconsort Les Escapades mit Monika Mauch (Sopran) und Andrea Baur (Laute) beim Konzert zu den Europäischen Kulturtagen in der Altkatholischen Kirche Karlsruhe (Foto: Markus Nick)
„Flow my tears“ - das sind schon beinahe geflügelte Worte. Sie stehen sinnbildlich für das frühbarocke Lautenlied, in diesem Fall das elisabethanische: Es ist das berühmteste Werk des englischen Komponisten und späteren Hoflautenisten John Dowland.
Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Stück zuerst unter dem Titel „Lachrimae Pavane“ veröffentlicht, und auch der norddeutsche Barockkomponist Heinrich Scheidemann verarbeitete dieses Thema in einer Pavane – wie sich überhaupt die Komponisten aus England, Frankreich, Spanien und Deutschland wechselseitig inspirierten.
Das zeigten jetzt die Musikerinnen des Gambenconsorts „Les Escapades“ in ihrem zweigeteilten Konzertvideo aus der Altkatholischen Kirche im Rahmen der Europäischen Kulturtage. Als Gäste hatten sie sich die Sopranistin Monika Mauch und die Lautenistin Andrea Baur eingeladen. Wer noch einmal eintauchen möchten in die Welt des Früh- und Hochbarock, wer in der empfindsamen Melancholie „mitleiden“ oder in freudigen Springtänzen die leidenschaftliche Liebe feiern möchte: Auf Youtube (EKT TV) ist das Video noch bis zum Ende der Kulturtage (16. Mai) abrufbar.
Eindringliche Erzählung eines jüdischen Schicksals
| Christine Gehringer | Kritik
Europäische Kulturtage: Mono-Oper "Das Tagebuch Anne Frank" als Film uraufgeführt

Ilkin Alpay (Sopran) und Virginia Breitenstein (Klavier) in Patric Seiberts Filmversion der Oper "Das Tagebuch der Anne Frank". (Foto: Marlies Kross)
Es gehört zum Wesen der Europäischen Kulturtage, dass sich Künstlerinnen und Künstler nicht nur mit der Kulturgeschichte unseres Kontinents, sondern auch mit dessen Werten auseinandersetzen. Zur Eröffnung des Karlsruher Festivals, das ebenso vom Land Baden-Württemberg getragen wird, sprach Kultur-Staatssekretärin Petra Olschowski deshalb von einem Leben in „Frieden, Freiheit, Rechtsstaatlichkeit – und einem gewissen Maß an Sicherheit“, das zur europäischen Identität gehöre. Doch zur Realität gehört ebenso, dass in Europa einst die größten Verbrechen gegen die Menschlichkeit geschahen.
2021 wird das Festjahr „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ begangen, und im Rahmen der Kulturtage leistet das Staatstheater Karlsruhe mit einem Jugendprojekt einen Beitrag dazu. Gestern Abend wurde die Oper „Anne Frank“ des russischen Komponisten Grigori Frid aufgeführt – erstmals in einer filmischen Umsetzung von Patric Seibert. Noch am 11. und 13. Mai ist der Film im Rahmen der Kulturtage zu sehen. Passend ist übrigens auch, dass die Aufführung in die Zeit des 100. Geburtstages der Widerstandskämpferin Sophie Scholl fällt.
Heiterer Genuss
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Streaming-Konzert der Staatskapelle mit Mendelssohn, Schumann und Strauss

Die Badische Staatskapelle bei der Probe zum Streaming-Konzert im Großen Haus des Staatstheaters Karlsruhe (Foto: Arno Kohlem/ Staatstheater)
Richard Wagner ist sozusagen als „Übervater“ ständig präsent, obwohl er gar nicht selbst zu Wort kommt: Es war ein beziehungsreiches Programm, das GMD Georg Fritzsch mit der Badischen Staatskapelle jetzt beim Livestream-Konzert aus dem Großen Haus des Staatstheaters vorstellte. Auf solche Bezüge und noch auf manche anderen interessanten Details verwiesen Fritzsch und der junge Cellist Isang Enders – er spielte Schumanns a-moll-Konzert – bei einem kurzweiligen Pausengespräch.
Setzt man auf solche Formate, dann sind Streaming-Angebote ein klarer Zugewinn, einmal abgesehen davon, dass sie vielen Hörern den Zugang zu den Kultur-Ereignissen deutlich erleichtern. Beim anfänglichen Stimmen der Instrumente entsteht außerdem tatsächlich so etwas wie „Konzert-Stimmung“; traurig ist nur, dass sich die Musiker am Ende selbst applaudieren müssen.
Noch etwa zwei Wochen lang kann das Konzert über das Portal dringeblieben.de kostenpflichtig abgerufen werden.
Starke, suggestive Bilder
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Erste Livestream-Premiere mit Strawinskys "Feuervogel" am Staatstheater Karlsruhe/ noch knappe zwei Wochen kostenpflichtig online

Erste Premiere am Staatstheater Karlsruhe: Mit Igor Strawinskys "Feuervogel" meldete sich das Staatsballett nun zurück. (Foto: Costin Radu/ Staatstheater)
Die Jubiläen großer Komponisten gehen in diesen Zeiten unter. Doch das Karlsruher Staatsballett meldete sich nun mit einer Premiere zurück – und diese fiel zeitnah auf den 50. Todestag von Igor Strawinsky. In seinem großen Handlungsballett „Der Feuervogel“ aus dem Jahr 1910 manifestieren sich die entscheidenden Umbrüche in der Zeit vor dem ersten Weltkrieg: Noch einmal zeigt sich die Klangpracht der Rimsky-Korsakow-Schule (hiervon wurde Strawinsky entscheidend beeinflusst), doch auch die scharfen Rhythmen eines neuen Stils, der sich drei Jahre später in „Sacre du Printemps“ skandalträchtig Bahn bricht, leuchten hier bereits auf. Ballettchefin Bridget Breiner stellt dem Werk einen interessanten Prolog voran.
Der belgische Choreograf Jeroen Verbruggen schafft im Strawinsky-Ballett zwar atmosphärische Bilder, doch vieles bleibt auch buchstäblich im Dunkeln. Aber: Es ist gut, dass im Theater endlich wieder über Inszenierungen geredet wird.
(Hinweis: Über das Portal dringeblieben.de ist die Produktion noch knapp zwei Wochen lang kostenpflichtig abrufbar).
Schönheit, die über sich selbst hinausweist
| Christine Gehringer | Kritik
Mozarts A-Dur-Klarinettenquintett: Eine nach-österliche Betrachtung

Festspielhaus-Intendant Benedikt Stampa und Cellist Ludwig Quandt beim Hausfestspiel in Baden-Baden. (Foto: Andrea Kremper)
Das digitale Oster-Festival in Baden-Baden ist vorbei, doch bis Ende April können die einzelnen Videos noch abgerufen werden.
Unter normalen Umständen würde das direkte Konzerterlebnis allmählich verblassen und dem nächsten Platz machen – doch auf digitalem Wege ist es möglich, auch im Nachhinein noch manche Schönheiten zu entdecken: In der Ankündigung zur besagten Matinee am Ostermontag hatten die Berliner Philharmoniker verlauten lassen, gerade bei Mozarts Klarinettenquintett komme der österliche „Auferstehungsgedanke“ zum Ausdruck.
Eine Einladung, dieses Meisterwerk nochmals zu betrachten.
Von Baden-Baden in die Welt
| Christine Gehringer | Kritik
Streaming-Konzerte erreichen zu Ostern Zuschauer rund um den Globus

Diana Damrau und Helmut Deutsch im Festspielhaus in Baden-Baden (Foto: Andrea Kremper)
Noch eine Weile werden sich Konzertbesucher wohl mit Streaming-Angeboten als „Wegzehrung“ für die kulturelle Durststrecke begnügen müssen – trotz mancher Modellprojekte, trotz der gestrigen Ankündigung des Kunstministeriums, zumindest sommerliche Freiluftveranstaltungen mit einer Neuauflage des landesweiten Förderprogramms zu unterstützen. Das Festspielhaus Baden-Baden stellt noch für etwa drei Wochen die Aufzeichnungen der Konzerte des „Digitalen Hausfestspiels“ zur Verfügung: Zum Beispiel den Liederabend mit Diana Damrau und Helmut Deutsch.
Musikalische Spiritualität
| Christine Gehringer | Kritik
Digitales Hausfestspiel Baden-Baden: Philharmonische Camerata mit Joseph Haydns "Sieben letzten Worten"/ davor die "Jussen-Brüder" mit Schuberts f-moll-Fantasie

Mitglieder der Berliner Philharmoniker gastierten als "Philharmonische Camerata" beim Hausfestspiel in Baden-Baden. (Foto: Andrea Kremper/ Festspielhaus)
Das Format des „Digitalen Hausfestspiels“ hat sich in Corona-Zeiten bewährt: Wenn schon die Gäste an Ostern nicht zu den Künstlern nach Baden-Baden kommen können, so soll es doch wenigstens umgekehrt sein – und damit das Publikum nicht nur abgefilmte Konzerte zu sehen bekommt, hat man sich im Festspielhaus einiges einfallen lassen: etwa mit eingespielten Kurzfilmen und Interviews rund um den jeweiligen Auftritt; vor allem aber auch mit der Möglichkeit, anschließend Fragen zu stellen, woraus sich im Nachhinein manche interessante Werkbetrachtung ergibt.
Das Festival eröffneten die Brüder Lucas und Arthur Jussen mit einem Klavierabend, am Karfreitag widmete sich die „Philharmonische Camerata“ der Berliner Philharmoniker den „Sieben letzten Worten unseres Erlösers am Kreuze“ von Joseph Haydn. Darüber hinaus stehen die Videos noch vier Woche lang zum Nachhören zur Verfügung.